FRONTPAGE

«René Groebli: Das Auge der Liebe»

 

 

«Wäre ich Dichter gewesen, hätte ich mich wohl ins nächstgelegene Café gesetzt, um für Rita Liebesgedichte zu schreiben… aber so verwandelten sich meine emotionalen Eindrücke fast ungewollt zu einem fotografischen Liebesgedicht», sagt der Fotograf René Groebli über seine Serie «Das Auge der Liebe», aufgenommen während der Hochzeitsreise mit Rita, 1952 in Paris. Die Fotogalerie Bildhalle in Zürich präsentiert eine umfangreiche Online-Ausstellung verschiedener namhafter Fotografen. Meisterhaft! www.bildhalle.ch

 

 

I.I. Eine Ode an die Fotografie: Die Online-Ausstellung der renommierten Fotografen lässt das Herz höher schlagen. Eine Rhapsodie der Farben von Albarrán Cabrera, die zärtlichen Dokumente einer Liebe von René Groebli, die grossartigen Bilder auf Reisen von Werner Bischof und die aussagestarken Momentaufnahme-Fotografien von René Burri verblassen nicht, sie sind Zeugen der Geschichte und lassen uns teilnehmen.
 

RENÉ GROEBLI – ONLINE AUSSTELLUNG
René Groebli wurde am 9. Oktober 1927 in Zürich geboren. 1945 kam er in die vorbereitende, 1946 in die Fachklasse für Fotografie von Hans Finsler an der Kunstgewerbeschule Zürich. Bei Central Film und Gloria Film in Zürich absolvierte er zwischen 1946 und 1948 eine Ausbildung zum Dokumentarfilm-Kameramann und schloss diese als Erster in der Schweiz mit einem Abschlussdiplom ab.

Als Reportagefotograf führte er Aufträge für die Schweizer Zeitschrift «Die Woche», später für die Londoner Agentur «Black Star» in Afrika und im Nahen sowie Mittleren Osten aus. Seine ersten beiden Buchpublikationen waren «Magie der Schiene» (1949), ein poetisches Essay und die Bildserie «Das Auge der Liebe» (1954, neue Edition 2014). In der Ausstellung «The Family of Man», die Edward Steichen für das Museum of Modern Art in New York organisierte, war René Groebli zusammen mit den Schweizer Fotografen Werner Bischof, Robert Frank und Gotthard Schuh vertreten. 1954 wurde er, gleichzeitig mit Robert Frank, ins Kollegium Schweizerischer Photographen aufgenommen.

Den Fotojournalismus gab er nach kurzer Zeit auf und gründete Mitte der 1950er Jahre ein eigenes Fotostudio für Werbe- und Industriefotografie. Groebli spezialisierte sich auf die Farbfotografie und experimentierte mit dem Dye Transfer-Verfahren. Das US-amerikanische Magazin «Color Annual» ehrte ihn 1957 als «Master of Color». Ab den frühen 1980er Jahren führte er keine kommerziellen Aufträge mehr aus, sondern widmete sich wieder seinen freien künstlerischen Essays in Schwarzweiss. Gegen Ende des 20. und während der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts arbeitete er sein Bildarchiv auf und digitalisierte die wichtigsten Fotografien seines im Verlauf von 60 Jahren entstandenen Werks.

Die Werke von René Groebli sind auch nach der Ausstellung in der Bildhalle erhältlich.

 

 

ALBARRAN CABRERA  – ONLINE AUSSTELLUNG
Foto Frontpage: Mouth of Krishna #789, Japan 2019; Pigment-Print auf japanischem Gampi-Papier über Blattgold: «This image was taken last Spring in Japan. Spring is here again but we are now in the middle of a storm. Paraphrasing Haruki Murakami, this storm isn’t something that blew in from far away, something that has nothing to do with us. This storm was created by us. All we can do is walk through it, step by step. Be optimistic, remain curious, and stay at home. Quoting Murakami: When you come out of the storm you won’t be the same person who walked in. That’s what this storm’s all about. More springs will come, and we’ll be there».
Das Künstlerpaar Angel Albarrán und Anna Cabrera (beide 1969 geboren, wohnhaft in Barcelona) hat viel Zeit in Japan verbracht. Die Reisen in das Land haben die ästhetischen Präferenzen in ihren Arbeiten und die Art der verwendeten Drucktechniken stark beeinflusst.

Die Frage, die sich wie ein roter Faden durch ihre Arbeit zieht, geht Bildern als Auslöser für individuelle Erinnerungen im Betrachter nach. Je nach sozialem und kulturellem Hintergrund, aber auch nach persönlicher Erfahrung kann der Betrachter Bilder auf ganz unterschiedliche Weise wahrnehmen. Albarrán Cabrera sehen ihre Fotografien als eigenständige Objekte: Sie fertigen ihre Abzüge in klassischen Verfahren wie Platin und Silberhalogenid oder erfinden neue, wie z.B. Pigmentdrucke auf Blattgold und schaffen so Reproduktionen, die in sich trotzdem einzigartig sind. Die poetische und sinnliche Natur dieser Abzüge zeugt von einer unvergleichlichen Handwerkskunst.

 

 

WERNER BISCHOF – ONLINE AUSSTELLUNG 
Der Zweite Weltkrieg ist vorbei, Werner Bischof verlässt auf seinem Fahrrad nach sechs Jahren zum ersten Mal die Schweiz. Am 3. September 1945 schreibt er in sein Tagebuch:
«Die ersten Fragen, welche man sich natürlich stellt: Was soll man mitnehmen? Welches sind die Verkehrsmöglichkeiten? Ich lese in der Zeitung: Jede Fahrt nach Deutschland bedeutet ein Abstossen von einer Insel mitten ins Meer, man tut am besten, sich wie für eine Expedition auszurüsten.»
In Friedrichshafen trifft er auf zwei Mädchen, die in der Ruine einer Kirche spielen. Kinder sind für Werner Bischof ein Symbol der Unschuld. Sie sind diejenigen, die am meisten unter dem Krieg gelitten haben. Gleichzeitig sind sie die neue Generation, die Zukunft.
Der Schweizer Magnum-Fotograf Werner Bischof (*1916 in Zürich) gilt als einer der wichtigsten und herausragendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts. Er ist ein Meister der Schwarzweiss-Fotografie und sein gewaltiges Werk schuf er in einer äusserst kurzen Zeit. Seine Arbeit als Fotojournalist und Dokumentarist des Zeitgeschehens führte ihn um die halbe Welt.

 

Bischofs Biografie ist die eines Mannes der Moderne. In den 1940er Jahren arbeitete er in seinem Fotostudio «Fotografik» und wurde dabei stark durch die Bewegung «Neues Sehen» beeinflusst. Nach dem 2. Weltkrieg reiste er durch Europa und schuf eine umfassende Dokumentation über die Zerstörung und den Wiederaufbau Europas nach dem Krieg. Während der frühen Zeit des Fotojournalismus publizierte Bischof in den bedeutendsten Magazinen der Welt und wurde Mitglied der legendären Fotografenagentur Magnum Photos. Seine Reportage über die Hungersnot in Indien verhalf Werner Bischof 1951 zur internationalen Berühmtheit.

In den frühen 1950er Jahren folgten Reisen durch Japan und weitere asiatische Länder. Auf diesen Reisen brach er aus dem Korsett der reinen Auftragsfotografie aus und widmete sich zunehmend auch freien Arbeiten. Im Herbst 1953 begann Bischof auf einer Reise durch die USA mit der Farbfotografie zu experimentieren und reiste darauf nach Zentral- und Südamerika, wo er 1954 bei Autounfall in den peruanischen Anden ums Leben kam.

 

 

RENÉ BURRI – ONLINE AUSSTELLUNG 

Pablo Picasso gibt seinen Kindern Paloma und Claude und zwei Freunden eine Zeichenstunde, Villa “La Californie”, Cannes, Frankreich, 1957. Picasso und Burri, die sich gut kannten, teilten dieselbe authentische Leidenschaft für das „Echte“ in der Kunst. Picasso hatte es in den Facetten des Kubismus und in den melancholischen Visionen seiner Blauen Periode gesucht; Burri hielt das „Echte“ fest, indem er weltbewegenden Momente dokumentarisch festhielt und Persönlichkeiten wie Pablo Picasso, Le Corbusier oder Che Guevara porträtierte.
René Burri studierte an der Kunstgewerbeschule in seiner Heimatstadt Zürich. Von 1953 bis 1955 arbeitete er als Dokumentarfilmemacher und machte während des Militärdienstes seine ersten Bilder mit einer Leica. 1955 wurde er Teil der Fotografenagentur Magnum und machte die Welt mit einer seiner ersten Reportagen über taubstumme Kinder, publiziert im Life Magazin, auf sich aufmerksam.

René Burri schuf Ikonen der Fotografiegeschichte des 20. Jahrhunderts und entführte uns als viel reisender Fotograf mit seinen eindringlichen Bildreportagen in alle Winkel dieser Welt. Seine fotografischen Arbeiten waren dabei immer an der Sache interessiert, engagiert, vielschichtig und empathisch. Er wollte die Welt nicht nur dokumentieren, er wollte sie mit seinen Bildern auch verändern. Für das Schweizern Periodikum Du porträtierte er berühmte Persönlichkeiten wie Picasso, Le Corbusier oder Giacommetti und seine Bilder des Revolutionärs Che Guevara mit Zigarre gingen um die Welt.

Der Dr. Erich Salomon Preis der Deutschen Fotografiestiftung 1998 ging an René Burri und eine grosse Retrospektive, die 2004-2005 im Maison Européenne in Paris startete, tourte durch mehrere europäische Museen. Im Juli 2013 gründete René Burri in der Schweiz seine eigene Stiftung. Diese ist heute im Musée de l’Elysée in Lausanne untergebracht. Im September 2014 eröffnete René Burri seine letzte Ausstellung mit dem Titel Mouvement in Paris im Maison européenne de la Photographie. Aus einer Vielzahl unveröffentlichter Fotos kreiert er für diesen Anlass Triptychen in Schwarz-Weiss und Farbe rund um den Begriff der Bildbewegung. René Burri stirbt einen Monat später, am 20. Oktober 2014, im Krankenhaus in Zürich.

Unter dem Kuratorium von Marc Donnadieu und Mélanie Bétrisey, zeigt das Musée de l’Elysée vom Januar bis Mai 2020 ein grosse Retrospektive mit dem Titel «René Burri, Explosion des Sehens».

 

Fotos links von oben nach unten:

Mouth of Krishna #789, Japan 2019; Pigment-Print auf japanischem Gampi-Papier über Blattgold, Foto Albarrán Cabrera.

Das Auge der Liebe, Liegender Akt, Paris 1952; Platinum-Palladium-Print, René Groebli. White Blouse, René Groebli.

Werner Bischof, Traffic Control in Milano.
René Burri, The Ministry of Healt building designed by architect Lucio Costa’s team, including Oscar Niemeyer, Rio de Janeiro, Brazil, 1960 ©Magnum Photos / RB Photos, Courtesy Bildhalle.

 

 

 

Bildhalle

Zeitgenössische Fotogalerie
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