FRONTPAGE

Editorial Nr. 47

Editorial

Februar 2015

 

Liebe Literatur- und Kunstinteressierte
Bonjour! Bienvenue! Benvenuto! Herzlich willkommen!

 

Seltsame Wesen treiben ihr Unwesen.

Selbsternannte Gotteskrieger
ermorden Menschen.

Was hat das mit Gott zu tun?

Und mit Religionen?

“Its the economy, stupid!”

Welche Mächte haben ein Interesse

daran, den Planeten Erde

auszubeuten und mit Kriegen zu schänden?

Diesen einzigartigen Planeten,

der aus grosser Distanz gesehen

mutterseelenallein in der Schwärze

des Weltalls segelt. 

Blauer Planet, 

drehst dich noch nach Sternzeiten…

 

Die Zukunft, wie sie in den amerikanischen Blockbustern visioniert wird, beispielsweise im Film «Die Tribute von Panem», sieht düster aus, Untergangsszenarien und die Zerstörung der Welt. In «Jupiter Ascending» wird der Planet Erde als Rohstofflager für andere Planeten ausserhalb unseres Systems missbraucht. Das besorgen wir vorerst noch selbst, die Rohstoffe auszubeuten und wissen nicht, was uns blühen kann. Dass es in unserer Welt so aussieht, wie es ist, erstaunt nicht. Statt Globalisierung der Wirtschaft wäre ein globales Bewusstsein vonnöten, das sich um den Erhalt des Planeten sorgt und um das Gemeinwohl kümmert. Damit ist es nicht weit her. Geld regiert die Welt! Und wer den kürzlich gleichnamigen Dokumentarfilm im 3sat gesehen hat, wie intransparente mächtige Finanzkonzerne  wie «BlackRock», ein Name wie aus einem Science-Fiction-Mystery-Thriller, von den USA aus in Europa auch in der Schweiz Immobilien aufkaufen, Pensionskassen-Liegenschaften in Fribourg, ohne Substanzerhalt die Mieten hochtreiben, sie dann mit Gewinn abstossen, weiss, wie unheimlich die ganze Situation ist. To whom it may concern: die florierenden Waffengeschäfte, die überall in die Krisengebiete liefern, von Prostitution und Frauenhandel nicht zu reden. Anything goes! Was für eine ver-rückte Welt! Unser Planet klagt an: Hat man aus der Geschichte des letzten Jahrhunderts mit zwei Weltkriegen nichts gelernt? Was kommt nach Obama? Koppelt Putin Russland vom Westen ab? Oder lauert hinter allem nur der Abgrund und die grosse Leere? Ein Trost: es sind die Künste und die Dichterinnen und Dichter, die in den Medien nur am Rande wahrgenommen werden, die überleben…

«Die Zukunft gehört der Gewaltlosigkeit und der Versöhnung der Kulturen», schreibt Stéphane Hessel in seinem  Buch «Empört Euch!», und «Neues schaffen heisst, Widerstand leisten, Widerstand leisten, heisst Neues schaffen».

 

 

 

Adieu Hafenkran, der in den vergangenen neun Monaten für etwas maritime Sehnsucht in Zürich am Limmatquai sorgte, den Kommentare der vielfältigsten Art begleiteten und die es ihm besorgten, dem rostigen Kerl aus dem Norden… Nun ist er weg, aber die liebe Seele hat noch nicht Ruh, denn die  Schweizer Volkspartei will ein für allemal dafür sorgen, dass es nie wieder einen Hafenkran in Zürich zu sehen gibt… mittels einer parteilichen und parteiischen Abstimmung. Darin ist diese Partei meisterlich… Und wenn es nicht gelogen ist, so wird es doch stimmen!

Mittlerweile haben andere Ereignisse stattgefunden, die die Schweiz vielleicht ungewollt nachhaltig verändern werden. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) entschied am 15. Januar 2015, den Franken-Mindestsatz zum Euro aufzuheben. Das kommt einem monetären Erdbeben gleich, vielleicht wird damit die Zuwanderung automatisch geregelt und vielleicht hat die Schweiz eines Tages auch den Euro als Währung, damit wäre zumindest der Exportindustrie gedient… On verra!

Die Zahl der im Ausland lebenden Schweizerinnen und Schweizer hat übrigens weiter zugenommen. 2014 waren es   746 885 Personen, etwa zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Die beliebtesten Auswandererländer  waren Frankreich, Deutschland, die USA, Israel, GB, Australien und Thailand.

 

Wir freuen uns, wenn Sie bei uns sind und folgende Themen
können wir Ihnen präsentieren:

 

 

«Anthropologie des Wassers»: Anne Carson, *1950 in Toronto,
Homer-Spezialistin, Sappho-Übersetzerin und Sophokles-Kennerin, unternimmt eine spannende Anthropologie der Geschlechter. Verlag Matthes & Seitz, Berlin 2014.

 

«Ein gutes Leben ist die beste Antwort»: Friedrich Dönhoff schreibt die Lebensgeschichte von Jerry Rosenstein, *1927 in Hessen, der mutig dem Nazi-Terror trotzte und überlebte, auch als Homosexueller in den USA, in die er 1949 auswanderte, nach San Francisco. Diogenes Zürich, 2014.

 

«Fenster/Finestre»: Elena Spoerl-Vögtli, *1952 in Bellinzona,
öffnet Fenster auf Landschaften und Lebensabschnitte,
ihre subtilen Gedichte erscheinen erstmals zweisprachig deutsch

und italienisch, Limmat Verlag, 2014.

 

«Bewegtes Leuchten/Lueur mobile»: den welschen Lyriker Jean-Pierre Schlunegger (1935-1964, in Vevey), kann man jetzt ein halbes Jahrhundert nach seinem tragischen Tod ebenfalls erstmals auf deutsch und französisch entdecken, Limmat Verlag, 2014.

 

«Peter Doig» – eine Ausstellung in der Fondation Beyeler, Riehen b. Basel. Text Simon Baur.

 

«Homo Faber (3 Frauen)»: Film von Richard Dindo, eine szenische Lesung an verschiedenen Stätten. Interview mit dem Regisseur von Rolf Breiner. Aktuelle Filmtipps.

 

«Uni Fribourg»: ein Beitrag von Fabrizio Brentini. L&K-Buchtipps: «Architekturführer Basel». Christoph Merian Stiftung,  S AM, 2014. Hörbuch «Le Corbusier» mit Originalaufnahmen des grossen Architekten. Moritz Holfelder, DOM publishers Berlin, 2014.

 

Ausstellung PAUL GAUGUIN in der Fondation Beyeler, Riehen b. Basel, vom 8. Februar bis 26. Juni 2015. Ausstellung «Inspiration Japan – Monet, Gaugun, van Gogh» im Kunsthaus Zürich, vom 20. Februar bis 10. Mai 2015.

 

«Die neue Persische Küche», traditionelle Rezepte modern interpretiert. Von Louisa Shafia. AT-Verlag, 2014.

«Die Kräuterküche». Von Tanja Grandits. AT-Verlag, 2015.

«So isst Zürich». 14 Porträts und Rezepte. Yvonne Eckert, Text.

Vera Markus, Fotos. Edition 8 Zürich, 2014.

 

«Angelina Jolie». Über ihren neuen Film «Unbroken» und steigende Flüchtlingszahlen spricht die UNO-Sonderbotschafterin mit Sacha Verna in New York.

 

«Nose to tail», der neue Kochtrend aus London von Fergus Henderson und seinem Restaurant St. John, eine saftige Reportage von Ingrid Schindler. Hierzulande heisst es «Vom Schnörrli bis zum Schwänzli» und wird beispielsweise im Restaurant Grüntal in Zürich serviert.

 

 

Notiz in eigener Sache. Wenn eine Koryphäe und ein Meister der Konkreten Poesie in Zürich auftritt, viele aber gar nicht wissen, was Konkrete Poesie bedeutet, ist das nicht nur bezeichnend, sondern geradezu beispielhaft für die arrogante Ignoranz einer Kunst gegenüber, die nicht zum Mainstream gehört. Die Performance-Lesung im Dialog mit Eugen Gomringer (*1925) im historischen schönen Lavatersaal St. Peter in Zürich am 29. Januar 2015 nach der Begrüssung von Pfr. Ueli Greminger war geistreich und inspirativ, ein Gentleman der alten Schule, von der Junge kaum wissen, dass es sie mal gab, diese Schule des Anstands. Gomringer wirkt so jung, dass Junge daneben oft alt aussehen. In manchem Falle sogar uralt.                                                                    

  Ingrid Isermann 

 

 

Den Ignoranten ins Stammhirn geschrieben:

 

SCHWIIZER

 

luege

aaluege

zueluege

 

nöd rede

sicher sii

nu luege

nüd znäch

nu vu wiitem

ruig bliibe

 

schwiizer sii

schwizer bliibe

nu luege

 

Eugen Gomringer

 

Literatur & Kunst erfreut sich nach wie vor steigender Beliebtheit. Monatlich steuern 250’000 bis 300’000 Leserinnen und Leser unsere Kulturwebsite ohne Sport und Börse an, pro Tag etwa 8’000, mittlerweile sind es nahezu drei Millionen visits auf Literatur & Kunst. Dafür danken wir Ihnen und freuen uns über Ihre Begeisterung. Merci!

Wir wünschen Ihnen eine anregende und aufregende Lektüre,
machen Sie’s gut und wenn es Ihnen gefällt, empfehlen Sie

uns bitte weiter.

 

Mit den besten Wünschen für ein glückliches und friedliches
Jahr 2015,

herzlich
Ihre Ingrid Isermann, Herausgeberin

Editorial