FRONTPAGE

«Kunstmuseum Luzern: Sonja Sekula & Friends»

 

 

 

Hat New York um 1945 Paris tatsächlich die Idee der modernen Kunst gestohlen? Damals kam es jedenfalls zu einer geografischen Verschiebung der Kräfteverhältnisse in der westlichen Kunst. Dieser Umbruch bildet den Hintergrund der Luzerner Sommerausstellung Sonja Sekula, Max Ernst, Jackson Pollock & Friends mit der gleichnamigen ausführlichen Publikation «Sonja Sekula & Friends».

 

Im Sommer 1936 übersiedelt Sonja Sekula (1918-1963) mit ihren Eltern von Luzern nach New York. Dort wird die angehende Künstlerin schnell Teil der vitalen Kunstszene. Sie befreundet sich mit den emigrierten Surrealisten aus Europa rund um André Breton und Marcel Duchamp und knüpft Kontakte zu Peggy Guggenheims Galerie.

 

Surrealismus und indianische Volkskunst

Ausgehend vom Surrealismus und beeinflusst von der indianischen Volkskunst entwickelt Sonja Sekula ein eigenwilliges Oeuvre. Sie kann in bedeutenden Galerien New Yorks ausstellen, sowohl einzeln als auch zusammen mit Künstlern wie Barnett Newman und Jackson Pollock. Psychische Krisen unterbrechen ihr Schaffen jedoch immer wieder, und 1952 kehrt sie zur Behandlung in die Schweiz zurück. Enttäuscht, dass die künstlerische Anerkennung in der Heimat ausbleibt, wegen finanzieller Schwierigkeiten sowie weiterer psychischer Rückschläge nimmt sie sich 1963 das Leben.

So ist sie heute weniger bekannt als ihre damaligen Weggefährtinnen und Weggefährten, aber 2016 in Luzern zusammen mit diesen umfassend zu entdecken (Kunstmuseum Luzern).

 

Als Tochter eines Ungarn und einer Luzernerin wächst Sonja Sekula in Luzern auf. 1936 zusammen mit den Eltern Emigration in die USA. 1939 Abbruch der Ausbildung am Sarah Lawrence College wegen psychischer Probleme. 1941 nimmt sie an der Art Students League in New York ein Kunststudium auf. Um diese Zeit Kontakt mit den im amerikanischen Exil lebenden Surrealisten um André Breton, der ihre automatistischen Texte und Bilder schätzt; sie wird ab 1943 verschiedentlich eingeladen, an Ausstellungen in Peggy Guggenheims Galerie Art of This Century teilzunehmen. 1946 folgt hier eine Einzelausstellung; ihre Gemälde und Zeichnungen werden lobend besprochen und von renommierten amerikanischen Sammlern erworben. Sekula freundet sich mit der französischen Dichterin und Malerin Alice Rahon, aber auch mit Robert Motherwell, John Cage und Merce Cunningham an. Anregend sind längere Aufenthalte in Mexiko und New Mexico (1945 und 1946–47). 1948 wird sie von der Betty Parsons Gallery unter Vertrag genommen, wo sie bis 1957 fünf beachtete Einzelausstellungen zeigt. 1949 Aufbruch zu einer Europareise, als amerikanische Staatsbürgerin; längerer Aufenthalt in Paris, wo sie mit Vertretern des französischen Informel bei Jeanne Bucher ausstellt. In New York erleidet sie 1951 einen psychischen Zusammenbruch, den ersten in einer langen Reihe von Krisen, die bis zu ihrem Tod anhalten und sie zu wiederholten Klinikaufenthalten zwingen. 1952 verlässt sie die USA und hält sich zur Kur in Kreuzlingen auf. Die Rückkehr nach New York bringt keine Besserung; 1955 endgültige Übersiedlung mit ihren Eltern in die Schweiz; sie lebt vorerst in St. Moritz, ab 1958 in Zürich. Nach Jahren der Isolation zeigt sie 1957 erstmals in Zürich ihre Zeichnungen und Bilder, doch ihre «amerikanisch» wirkenden Werke finden nur wenig Zuspruch. Von Krankheit und Misserfolgen gezeichnet, erhängt sie sich 1963 im Atelier.

http://www.rwma.ch/kunstwerke/biographie-sonja-sekula

 

 

Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung

Robert Barrell, Louise Bourgeois, Peter Busa, Joseph Cornell, Marcel Duchamp, Max Ernst, Arshile Gorky, Balcomb Greene, Jean Hélion, Wifredo Lam, Roberto Matta, Robert Motherwell, Louise Nevelson, Barnett Newman, Jackson Pollock, Alice Rahon Paalen, Mark Rothko, Sonja Sekula, Kurt Seligmann, Sophie Taeuber-Arp, Mark Tobey, Maria Helena Viera da Silva, Tomlin Walker Tomlin, Steve Wheeler.

Ausstellung bis 25. September 2016.

www.kunstmuseumluzern.ch

 

Eine reich illustrierte Publikation präsentiert insbesondere Sekulas Werke der New Yorker Jahre und untersucht den künstlerischen Dialog, den sie mit ihren amerikanischen Freundinnen und Freunden zu jener Zeit führte. Essays von Fanni Fetzer, Dominik Müller und Griselda Pollock geben Einblick in das kunstbestimmte Leben einer Frau, deren beeindruckendes Schaffen ein allzu frühes Ende fand.

 

Sonja Sekula & Friends

Eine wichtige Schweizer Künstlerin

neu gesehen im Kontext ihres New Yorker Freundeskreises

Hg. Kunstmuseum Luzern

Scheidegger & Spiess 2016

Mit Beiträgen von Fanni Fetzer, Dominik Müller und Griselda Pollock

Text deutsch und englisch

broschiert, 160 S., 98 farbige und zwei s/w Abb.
24 x 32.5 cm

CHF 49. € 48.

ISBN 978-3-85881-512-5

Autoren & Herausgeber

Fanni Fetzer  (*1974), ist Direktorin des Kunstmuseums Luzern. Zuvor war sie 2006–2011 Leiterin des Kunsthauses Langenthal.
Dominik Müller (*1981), Kunsthistoriker und seit 2015 Exhibition Manager am Kunstmuseum Luzern. Davor wissenschaftlicher Mitarbeiter am Museum Tinguely in Basel.

Griselda Pollock (*1949), Kunsthistorikerin und Direktorin des Centre for Cultural Analysis, Theory and History (CentreCATH) in Leeds sowie Gründerin des Feminist Art History Collective 1973.
 

 

 

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