FRONTPAGE

Editorial Nr. 102

Editorial

Mai/Juni 2024

 

Liebe Kunstinteressierte, Freundinnen und Freunde von Literatur&Kunst, herzlich willkommen!
 
Wir begrüssen Sie herzlich zu Literatur&Kunst. Der Frühling und die wunderbar blühende grüne Natur hat uns wie immer bezaubert, wir sollten sie schätzen und schützen auf unserem einzigartigen Planeten.  Auch wenn die Weltlage ernst ist, hoffnungslos ist sie nicht. Wir werden weiterhin mit Zuversicht an der Aufklärung und Information arbeiten und mit Literatur&Kunst Dinge und Zusammenhänge erhellen.

 

Despoten scheren sich nicht um den Frieden in der Welt, wie das Mullah-Regime im Iran, das im April 2024 erstmals direkt mit Hunderten von Raketen und Drohnen Israel angriff. Wie weiter in der verfahrenen Situation? Der israelische Schriftsteller Edgar Keret (*1967) erklärt, dass die «einzige mögliche Veränderung wäre, diese katastrophale Führung durch eine zu ersetzen, die der chaotischen Realität, in der wir gefangen sind, überdrüssig ist. Eine neue Führung, die sich nicht scheut, nach einer besseren Zukunft zu streben – auf beiden Seiten der Grenze». (NZZ, 24.4.2024). Und warum erhebt das palästinensische Volk nicht seine Stimme gegen die Hamas?
 
Und wie konnte es so weit kommen, dass Kriegstreiber Russland seit seinem Angriffskrieg im Februar 2022 Tag und Nacht Bomben auf die Ukraine regnen lassen kann? Nicht zuletzt hilft ein Blick in die Vergangenheit. Ein Artikel aus dem Magazin «Spiegel» Nr. 21, 21. Mai 2007, fiel mir wieder in die Hände:
 
«Die neue Eiszeit», titelte der «Spiegel» im Mai 2007: «Die Kanzlerin ist enttäuscht, der Aussenminister sagt: Die Dinge haben sich verkantet. Das aggressive Auftreten Wladimir Putins spaltet Europa – und die Grosse Koalition. Die von Frank-Walter Steinmeier propagierte Politik der «Annäherung durch Verflechtung» droht zu scheitern. Der Putin, der den Europäern in diesen Tagen gegenübertritt, ist aggressiver denn je. Es ist nicht mehr der Mann, der im September 2001 im Berliner Reichstag den «Geist der Freiheit und des Humanismus» beschwor und um die Freundschaft der Europäer und Deutschen warb. «Russland hegte gegenüber Deutschland immer besondere Gefühle», rief er damals. Der Putin des Mai 2007 verdichtet in seiner Person den geballten Machtanspruch des russischen Grossreichs, das allein schon wegen seines Atomwaffen-Arsenals und als Veto-Macht im Weltsicherheitsrat eine globale Führungsrolle einnehmen will. Dieser Putin hat das Milchglas der beruhigenden Worte und konzilianten Gesten bewusst zertrümmert und tritt unverstellt als rücksichtloser Vertreter russischer Grossmachtinteressen auf».

 

2014 folgte die Krim-Annektion sowie die Besetzung der ukrainischen Ostgebiete, seit Februar 2022 bombardiert Putin im völkerrechtswidrigen Angriffskrieg die Ukraine. Putin, zunehmend kafkaesker, hat, nachdem er von Den Haag wegen Kriegsverbrechen zur Fahndung ausgeschrieben wurde, nun seinerseits Selensky zur Fahndung ausgeschrieben sowie die angedrohten Atombomben ins Trainingsprogramm aufgenommen. 

Dazwischen liegt Nord Stream 2, die Pipeline, die nie zur Anwendung kam und Milliarden kostete. War man mit Blindheit geschlagen? Doch auch jetzt gibt es sie noch, die Putin-Versteher, die die USA und die Nato zu den Schuldigen für Putins Aggressionen machen wollen, die das Ziel haben, die Ukraine zu vernichten. Die Osteuropäer hatten in der damaligen Sowjetunion erlebt, was es heisst, unter Russland ohne Meinungsfreiheit und in einer Diktatur zu leben. Alle diese Staaten haben sich nach dem Zusammenbruch der UdSSR 1991 freiwillig der Nato angeschlossen, wie auch Finnland und Schweden nach Putins Angriffskrieg auf die Ukraine, um sich gegen russische Angriffe wappnen zu können.

 

Die tschechische Regierung gab Ende März 2024 bekannt, ihr Geheimdienst BIS habe die in Prag ansässige Nachrichtenwebsite «Voice of Europe» als Instrument russischer Propaganda enttarnt, deren Inhalt vollständig von Russland kontrolliert und finanziert sei. Politische Akteur:innen in Europa wären für prorussische Statements bezahlt worden, um die territoriale Integrität, Souveränität und Freiheit der Ukraine infrage zu stellen. Das passt zu den jüngsten Enthüllungen über die AfD, deren Politiker unter Verdacht stehen, Geld von Russland erhalten zu haben, um eine russlandfreundliche Politik sowie Spionage zu betreiben.  Im Namen der Freiheit, der Solidarität und des Friedens ist es unerlässlich, die Ukraine weiterhin zu unterstützen. Man wird sehen, wie sich die Ukraine-Friedensinitiative der Schweiz auf dem Bürgenstock im Juni 2024 entwickeln wird, an der verschiedene Staaten, jedoch nicht Russland, teilnehmen werden. Apropos: Nichts währt ewig, und das gilt auch für Autokraten und Despoten.
 
Währenddessen spielt die FDP die Opposition in der gemeinsamen Ampelregierung und setzt ihre Partner mit einer neuen Wirtschaftsstrategie unter Druck, die weder im Koalitionspapier steht noch wegen des geplanten Sozialabbaus Aussicht auf Erfolg hat; die Schuldenbremse trotz Innovationsproblemen lässt die FDP vornehm aussen vor. Eine Anbiederung an die CDU, die aber im Falle eines Auseinanderbrechens der Ampel ohnehin nur mit der SPD oder den Grünen regieren könnte, die wohl beide auch kaum mehr mit der FDP (4 Prozent Wähleranteil, April 2024) zusammengehen würden. Wie sagte Christian Lindner einst: „Lieber nicht regieren als schlecht regieren“. Ob er seinen eigenen Ratschlag befolgt? Und wie sagte Corinna Harfouch, Schauspielerin (Film «Sterben»): «Die Angstmacher sind die grössten Angsthasen». Die Angst vor dem Fremden bestimmt die europäische Migrationspolitik, die an die Überführung von Migranten in Drittländer wie Ruanda denkt. Warum nicht nach Russland, im grössten Land der Welt ist noch viel Platz.

 

 
Eine aktuelle globale Studie des amerikanischen Meinungsforschungsinstitutes Pew Research Center zeigt, dass die Demokratie weltweit an Anziehungskraft verliert. Der Rechtsnationalismus und Rechtsextremismus gewinnt an Einfluss. Warum? Die Demokratie ist der langsamere Weg der Meinungsbildung, mit ihren Bürokratien und fortwährendem Aushandeln, mit unzähligen Interessengruppen, die mitreden und blockieren können. So zeigte mir ein Taxifahrer in Dubai stolz die Errungenschaften der himmelsstürmenden Architektur, die ohne langwierige Einsprachen errichtet wurden, wo Demokratie nur hinderlich wäre, wie er sagte.  So erscheinen nicht die Anhänger des Autoritären überfordert von der Welt, sondern die liberalen Demokratien, die mit Selbstgewissheit vorgeben, nach wie vor das beste aller Systeme zu sein. Doch gilt es zu beweisen, dass die Demokratie dem autoritären System überlegen ist und somit eine Antwort auf den Rechtsruck zu finden ist, beispielsweise mit mehr Bildungsprogrammen, mehr Regulierung des Internets, Symbolpolitik auf den Strassen und das Ausschöpfen verfassungsrechtlicher Mittel. «Die autoritäre Versuchung», DIE ZEIT, Nr. 18, 25. April 2024.

 
Sind wir mehr als nur Atome?

Die Astrophysikerin Sabine Hossenfelder (*1976),  Research Fellow am Frankfurt Institute for Advanced Studies, betreibt auf YouTube einen beliebten eigenen Kanal mit Videos zu Themen der Wissenschaft. In ihrem Buch «Mehr als nur Atome» erklärt sie, was die moderne Physik über die grossen Fragen des Lebens sagen kann. Existiert die Vergangenheit noch oder die Zukunft schon? Wie ist das Universum entstanden? Wie hört es auf? Wieso sind die Naturgesetze so und nicht anders? Kann Information aufhören zu existieren? Was sagt die Physik über den freien Willen? Physiker, so meint die Wissenschaftstheoretikerin Sabine Hossenfelder, sind gut darin, schwierige Fragen zu beantworten, aber nicht gut darin, zu erklären, warum diese Bedeutung für uns alle haben. Die Grenze zwischen Wissen und Nichtwissenkönnen der existenziellen Fragen zur Quantenmechanik oder zum Multiversum zeichnet die Autorin lakonisch, unterhaltsam und kenntnisreich nach.
Sabine Hossenfelder. Mehr als nur Atome. Was die Physik über die Welt und das Leben verrät. Aus dem Englischen von Monika Niehaus-Osterloh und Bernd Schuh. Mit Abbildungen. Siedler Verlag, München, 2023. ISBN 978-3-8275-0166-0.

 

Wie sieht die Welt von morgen aus?
«In «Die Welt von Gestern» schildert Stefan Zweig das kosmopolitische Europa vor 1914. Als er seine Erinnerungen niederschreibt, existiert es nicht länger, «weggewaschen ohne Spur» von der faschistischen Barbarei. Zweig stirbt 1942. Europa bekommt nach 1945 eine zweite Chance. Visionäre gründen ein epochales Friedensprojekt, die Grenzen fallen und der Nationalismus weicht der Kooperation. Doch dieses Projekt ist bedroht durch demokratische Defizite. In einigen Mitgliedstaaten schüren Politiker einen neuen Nationalismus. Europa steht wieder am Scheideweg. Wie wird die Welt von morgen aussehen?»
Robert Menasse erklärt und verteidigt in seinem neuen Buch «Die Welt von morgen» die europäische Idee, lädt aber auch dazu ein, die systemischen Widersprüche der Europäischen Union zu kritisieren und zu überwinden. Entweder gelingt das historisch Einmalige, nämlich der Aufbau einer nachhaltigen Demokratie, oder es droht ein Rückfall in das Europa der Nationalstaaten. Es wäre eine weitere Niederlage der Vernunft mit den Gefahren und Konsequenzen, die aus der Geschichte bekannt sein sollten.
Robert Menasse. Die Welt von morgen. Ein souveränes demokratisches Europa – und seine Feinde. Suhrkamp Verlag, 2024. ISBN 978-3-518-43165-8.

 

 

«Das Gute – dieser Satz steht fest – ist stets das Böse, was man lässt!»

Dieser Vers steht in einem kleinen Büchlein, das Wilhelm Busch (1832-1908) verfasst hat. Er war einer der einflussreichsten, humoristischen Dichter und Zeichner Deutschlands. Die Sprüche des volkstümlichen Humoristen blieben bis heute populär.  Wer kennt nicht den Ausspruch «Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr» oder «Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich».  Der Insel Verlag hat just ein Büchlein mit seinen Versen und einer ausführlichen Biografie vom Dichter selbst herausgebracht:
Wilhelm Busch. «Wer Sorgen hat, hat auch Likör».  Insel Verlag, 2024. ISBN 978-3-458-20535-7
1. Mai 2024  Ihre Ingrid Isermann

 

La Biennale di Venezia 2024 – «Foreigners everywhere»

The 60th International Art Exhibition in Venice will take place from Saturday 20 April to Sunday 24 November, 2024, curated by Adriano Pedrosa. “I am honored and humbled by this prestigious appointment, especially as the first Latin American to curate the International Art Exhibition, and in fact the first one based in the Southern Hemisphere”, Pedrosa commented.

Adriano Pedrosa (Brazil) is currently the artistic director of the Museu de Arte de São Paulo Assis Chateaubriand – MASP, where he has curated many exhibitions, including Histories of Dance (2020) and Brazilian Histories (2022). He has recently been appointed the 2023 recipient of the Audrey Irmas Award for Curatorial Excellence, that was presented to him by the Center for Curatorial Studies at Bard College, New York.

 
ATONEMENT – Der Tanz der Choreografin: Ballett von Cathy Marston nach dem gleichnamigen Roman von Ian McEwan im Opernhaus Zürich.
 
Für die Ballettdirektorin Cathy Marston ist Literatur eine wichtige schöpferische Quelle ihrer choreografischen Arbeit, und mit Ian McEwans «Atonement» (Abbitte) hat sie einen Stoff übernommen, der reich an Figuren und Erzählebenen eine Herausforderung bedeutet. An der Uraufführung im Opernhaus Zürich am Sonntag, den 28. April 2024 gab es Standing Ovations für den persönlich anwesenden Autor und die gelungene Ballettaufführung. 

 

Ian McEwan, *1948, zählt zu den bedeutendsten Stimmen der zeitgenössischen englischen Literatur. In seinem Erfolgsroman «Atonement» (2001) erzählt er von der lebenslangen Sühne einer frühen Schuld. Durch eine bewusste Falschaussage bringt Briony Tallis (Inna Bilash), eine pubertierende Autorin im England der 1930er-Jahre, den anscheinend nicht standesgemässen Verehrer Robbie Turner (Brandon Lawrence) ihrer älteren Schwester Cecilia (Max Richter) ins Gefängnis und zerstört das Leben und die Liebe zweier Menschen. Obwohl sie den beiden Liebenden in einem Roman zu dem Glück verhilft, das ihnen im Leben nicht vergönnt war, gelingt es Briony Tallis nicht, selbst Vergebung für ihr Vergehen zu erlangen. McEwans Roman ist mehr als eine tragische Liebesgeschichte vor zeitgeschichtlichem (Kriegs)Hintergrund. In ihrer ersten Neukreation für das Ballett Zürich verlegt Ballettdirektorin Cathy Marston gemeinsam mit ihrem künstlerischen Partner Edward Kemp das Geschehen von «Atonement» in die Ballettwelt. In ihrer Adaption wird Briony Tallis zur gefeierten Choreografin, die die schicksalhaften Verfehlungen ihrer Jugend in ihren Tanzstücken zu verarbeiten sucht. Cathy Marston reflektiert in ihrem grossen Handlungsballett über die kleinen und grossen Selbsttäuschungen, die unsere Erinnerungen prägen, und über den schwierigen Umgang mit Schuld. Die Musik zu «Atonement» entstand als Auftragskomposition der namhaften englischen Komponistin Laura Rossi. Am Pult der Philharmonia Zürich steht Jonathan Lo, der Musikdirektor des Australian Ballet.
Vorstellungen 1,12, (14/20 Uhr), 14, 23, 30 Mai; 1, 2, 7 Juni 2024 opernhaus.ch

 

Neue Ausstellung im Pavillon Le Corbusier: «Lucien Hervé – Gebautes Licht»

2024 zeigt der Pavillon Le Corbusier von Anfang Mai bis Ende November am Zürcher Seebecken Fotografien von Lucien Hervé. Arbeiten, die auf das Werk des Architekten Le Corbusier zwischen 1948 und 1965 fokussieren und in einem Dialog mit den Bauten anderer Architekten stehen.

Für Le Corbusier war das Bild seines eigenen Werks von grosser Bedeutung. Die Fotografie stand hierbei im Mittelpunkt seines Interesses. Als Lucien Hervé den Architekten 1949 zum ersten Mal traf, fiel Corbusier die minimalistische Bildsprache des Fotografen als neue Dimension für die Verbreitung seiner Architektur ins Auge. Die Ausstellung «Gebautes Licht» zeigt sowohl bekannte wie auch bisher unveröffentlichte Fotografien aus dem Werk Hervés. Ergänzt werden sie durch Originaldokumente, wie Briefe zwischen Le Corbusier und Lucien Hervé, von dokumentarischen Fotografien sowie Publikationen.

Eine sehenswerte Ausstellung und historische Zeitreise und Beispiele einer meisterlichen Fotografie vom Zusammenspiel von Licht und Schatten, von Mustern und Strukturen, von Raum und Volumen und nicht zuletzt vom Platz des Menschen in der Architektur. Begleitpublikation erhältlich im Museumsshop.
Veranstaltungen pavillon-le-corbusier.ch
Pavillon Le Corbusier, Höschgasse 8, 8008 Zürich
 

 

Premiere Oper «Carmen» von George Bizet im Schiffbau mit einer überragenden Katia Ledoux.

Moved by the Motion in der unkonventionellen Inszenierung von Wu Tsang zeigt fliessend zwischen Sprache, Tanz, Bild und Gesang mit einem multidisziplinären Ensemble eine Ode an Carmen in all ihren rebellischen Formen. In Zusammenarbeit mit Autorin Sophia Al-Maria und Komponist Andrew Yee gräbt Moved by the Motion das vielschichtige Erbe von Carmen in einer genreübergreifenden Adaption aus, indem Dialoge aus Bizets ursprünglicher Opéra-Comique mit einer zeitgenössischen Nebenhandlung verwoben eine Geschichte erzählen, die Zeiten transzendiert zwischen einem fiktiven Sevilla des 19. Jahrhunderts und der Gegenwart. Mérimées Erzähler, ein Archäologe (Perle Palombe) wird zur Doktorandin der Universität von Sevilla, (Zuniga/Professor Alicia Aumüller), untergebracht in der ehemaligen Tabakfabrik aus dem 19. Jhd., die nach einer Grabstätte aus der Zeit des Spanischen Bürgerkriegs sucht. In der Titelrolle der Carmen brilliert Katia Ledoux während auch Ryan Capozzo als Don José und Gegenspieler des Stierkämpfers Escamillo (Steven Sowah) das Publikum begeisterten. PERFORMED by COLLEGIUM NOVUM orchestra, dirigiert von Jonathan Palmer Lakeland. 
Weitere Vorstellungen: Montag, 6. Mai 2024. www.schauspielhaus.ch/de/programmheft/carmen

 
Schauspielhaus Zürich Spielzeit 2024/2025:
Ulrich Khuon, Interimsintendant und Brückenbauer für eine Spielzeit voller einzigartiger Theateraugenblicke und eigener Akzente.

An einer Medienorientierung im Schiffbau stellte Intendant Ulrich Khuon seine Spielzeit 2024/25 als vielversprechendes Programm und als Brückenjahr zwischen der zukünftigen Intendanz von Pınar Karabulut und Rafael Sanchez vor.

Ein Jahr zwischen Kontinuität und Neubeginn, voller künstlerischer Wiederbegegnungen und spannenden Neuentdeckungen.
«Wir Menschen sind Augenblickswesen und Theater ist im besten Sinne Augenblickskunst», sagt Ulrich Khuon. Der Spielplan, den Ulrich Khuon in Zusammenarbeit mit den Leitenden Dramaturg:innen Anika Steinhoff und David Heiligers gestaltet hat, setzt dabei auf die Kraft grosser Erzählungen aus Gegenwart und Vergangenheit. Von Shakespeare, Kafka, Sartre, Sophokles, Hitchcock bis Robin Hood zur Roten Zora ist für alle Theaterfans etwas dabei, das wie Liebe einfach ausserirdisch von René Pollesch einfach anspricht.
21 Premieren im Schiffbau und im Pfauen sowie viele «Specials», u.a. mit Charlotte Schwab und Carol Schuler, mehrere Uraufführungen, allen voran Dea Lohers Frau Yamamoto ist noch da, ein Kaleidoskop einer sich nach Nähe sehnenden Gesellschaft, stehen für das Vertrauen in das Theater als Pulsmesser der Gegenwart. Allen Stücken von Doktor Spielrein, Dada Bohème und Also sprach Zarathustra bis hin zum Klassenzimmerstück #byebitch ist gemein, dass sie mehr Fragen als Antworten aufwerfen und zum gemeinsamen Erkunden verschiedener Debattenfelder einladen.
Die Matchbox wird als Bühne und als Labor für Stücke neuer Autor:innen wiederbelebt, die Pfauen-Kammer den jungen Menschen des Theaterjahrs und der Jugendclubs zum Proben, Experimentieren und Da-Sein überlassen. Theaterkunst wisse nie Bescheid, meint Ulrich Khuon. «Aber sie führt Menschen zusammen, die Fragen haben und neue Erfahrungen machen wollen». Wir freuen uns auf die neue Theatersaison.
7. Mai 2024 Ingrid Isermann

 

 

Was können Sie im Mai/Juni auf Literatur&Kunst entdecken?

 

Wie Frauen aus der Literaturgeschichte herausgeschrieben wurden, beschreibt die Literaturwissenchaftlerin Nicole Seifert in ihrer erhellenden Gesellschaftsstudie über die Gruppe 47: «Einige Herren sagten etwas dazu», Kiepenheuer & Witsch.

 

«Marseille 1940», der Schriftsteller Uwe Wittstock beleuchtet die Flüchtlingsgeschichte vieler Literaten und Intellektuellen, die vor den Nazis nach Marseille flohen und vom jungen amerikanischen Fluchthelfer Varian Fry gerettet wurden. C.H. Beck, 2024.

 

Lyrische Musen auf dem Smartphone: «amoretten in netzen», Gedichte voller Fabulierlust und sprachexperimenteller Ausflüge im Debütband von Lara Rüter. Wunderhorn, 2024.

 

Sie war ihrer Zeit voraus, die vielseitige österreichische Künstlerin Kiki Kogelnik, jetzt ist die Pop-Expressionistin im Kunsthaus Zürich zu sehen: «Now is The Time».

 

Sarah Morris zeigt in ihrer Ausstellung im Zentrum Paul Klee «All systems fail» die ganze Bandbreite ihres Könnens.

 

Kunst-Buchtipps: «Aargauer Kunsthaus. Wie mit Gegenwartskunst umgehen»; In verschiedenen Essays wird der Wandel im Umgang mit zeitgenössischer Kunst thematisiert. Scheidegger & Spiess, 2024.

 

«Kreis!Quadrat!Progress» über die Avantgarde der Zürcher Konkreten Max Bill, Camille Graeser, Verena Loewensberg, Richard Paul Lohse und ihr Umfeld. Scheidegger & Spiess, 2024.

 

Oliviero Toscani – Fotografie & Provokation». Im Museum für Gestaltung, Zürich, sind die aufsehenerregenden Fotos zu sehen, die der italienische Fotograf Toscani für Benetton in den Fokus rückte. Aktuelle Filmtipps.

 

Eine im Mai neu erscheinende Monografie Arata Isozaki stellt Ihnen den japanischen Architekten und Pritzker-Preisträger 2019 vor. Park Books, 2024.

 

Rainer Haubrich: «Champs-Elysées – Eine kurze Geschichte des berühmtesten Boulevards der Welt» mit Fotos, Stadtplänen, vielen Details und viel Prominenz. Der Boulevard steht für Luxus und Eleganz und ist ein Spiegel der französischen und europäischen Geschichte. Insel Verlag, Taschenbuch, 2024.

 

Widescreen: «Mehr als Gold. Glanz und Weltbild im indigenen Kolumbien».
Das vorspanische Kolumbien wurde im Westen vor allem mit dem Mythos des «El Dorado» in Verbindung gebracht. Dabei wurde der Blick auf den wahren Reichtum der Kunst der dort lebenden indigenen Menschen verstellt. Die Ausstellung «Mehr als Gold – Glanz und Weltbild im indigenen Kolumbien» eröffnet eine neue Sicht auf die Kunst und Kultur dieser Region. Erstmals widmet sie sich der Vielfalt des meisterhaften künstlerischen Schaffens im vorspanischen Kolumbien und beleuchtet die Werke aus indigener Perspektive.
Museum Rietberg, Zürich Ausstellung 22.3.-21.7.2024.

 

Carte Blanche:

Inger-Maria Mahlke «Unsereins» über die Gesellschaft in Lübeck zu Zeiten Thomas Manns, Rowohlt Verlag, rezensiert von Ingrid Schindler.

«Die neue Entfremdung» von Jessy Wellmer, die ostdeutsche ARD-Moderatorin ruft in ihrem Plädoyer für mehr gegenseitiges Verständnis auf und begeistert damit auch die Rezensentin Ingrid Schindler.

 

Julieta Schildknecht hat für Literatur&Kunst den renommierten japanischen Architekten Spu Fujimoto interviewt.

 

Lust auf eine Flussschiffahrt? Dann los nach Amsterdam: «Holland wie aus dem Bilderbuch» lautet die spritzige, frische
Reportage von Ingrid Schindler.

 

Wir danken Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und wünschen Ihnen einen wunderschönen Sommer mit Literatur&Kunst. 

 

Herzlich
Ihre Ingrid Isermann, Herausgeberin

Editorial