FRONTPAGE

Editorial

November 2012

 

 

Hallo, Bonjour, Grüezi und Welcome!

 

Herzlich willkommen, liebe Leserinnen und Leser,
liebe Kunstinteressierte!

 

Die November-Ausgabe von Literatur & Kunst steht ganz im Zeichen der Lyrik: Der erste Zürcher Lyrik-Preis L&K wurde am 27. Oktober 2012 im Rahmen des Literaturfestivals „Zürich liest“ im Orell Füsssli mit grossem Publikumsinteresse vergeben. Die Fotos von der Preisverleihung sehen Sie anschliessend an die Textbeiträge der PreisträgerInnen.

 
Die Hauptpreise gingen an Jacqueline Crevoisier, Raphael Urweider und Hugo Ramnek, weitere Anerkennungspreise an Anne Broger, Lisa Elsässer, Sabine Reber, Wanda Schmid, Monique Schnider, Clemens Umbricht und Peter Weibel (vgl.  NZZ, Zürcher Kultur, 29. Oktober 2012).


Alle Gedichte der PreisträgerInnen sind mit Kurzbios und Laudationes in dieser Ausgabe von Literatur & Kunst publiziert und jederzeit auch später sicht- und abrufbar im Archiv (rechte Spalte der Hauptseite).
Auch mit dem Lyrik-Preis möchte Literatur & Kunst zur Qualität in den Medien im Internet beitragen und auf die Randsparte Lyrik in den Medien aufmerksam machen.
Wir danken herzlich der Orell Füssli Buchhandlungs-AG sowie The Dolder Grand, Helvetic Airways, Lyria TGV, Globus  und Faber Castell für ihre Unterstützung des Lyrik-Preises.

 

Was bringt Ihnen der November auf Literatur&Kunst?

 

LITERATUR: Die Autorin Lily Brett im Gespräch mit Sacha Verna über ihren neuen Bestseller-Roman «Lola Bensky».

 

KUNST: Chantal Michel. Rolf Breiner besuchte die Künstlerin im verwunschenen Gerber-Schloss in Thun. Merets Funken als Hommage an Meret Oppenheim im Kunstmuseum Bern; Vorhang auf für CH-Designpreise der jungen und alten Garde im Museum Bellerive Zürich.

 

PHOTO/FILM: Über James Bond als schottischer Highlander reflektiert Rolf Breiner. Marina Abramović. Die absolut grenzüberschreitendste Performance-Künstlerin der Welt.

 

ARCHITEKTUR: Souto de Moura. Der portugiesische Architekt baute auf dem Novartis-Campus Basel, Rezension von Fabrizio Brentini. Neue Architekturführer mit QR-Codes: Berlin-Mitte und Budapest, DOM publishers 2012.

 

KUNST: Diego und Alberto Giacometti: «Die verborgene Geschichte». L&K präsentiert exklusiv Auszüge aus dem Buch der spannenden Familiengeschichte von Claude Delay. Römerhof-Verlag 2012, Zürich.

 

KOLUMNE: Zwei Ohren und zwei Augen. Von Hedi Wyss.

 

BUCHTIPPS: «Scrapbooks 1969-1985» des kultigen Szene-Fotografen Walter Pfeiffer. Edition Patrick Frey 2012. «Was ist Kunst?»: 27 Fragen und 27 Antworten finden sich in der Publikation der Fondation Beyeler, Riehen b. Basel, 2012.

 

REPORTAGE: Island! Von Ingrid Schindler: Reykjavik ist auch im Winter ein attraktives Reiseziel.
 

 

Literaturpreise & Kultur-Notizen

 

Der Deutsche Buchpreis geht an die Lyrikerin und Schriftstellerin Ursula Krechel, 1947 in Trier geboren, für ihren Roman «Landgericht» (Verlag Jung und Jung, 2012). Das Werk stellt einen jüdischen Richter in den Mittelpunkt, der 1947 aus dem Exil in Havanna nach Deutschland zu seiner versprengten Familie zurückkehrt und daran zerbricht, als er in der Enge Nachkriegsdeutschlands den Kampf um die Wiederherstellung seiner Würde verliert.

 
Der Büchner-Preis 2012 wurde an die Schriftstellerin Felicitas Hoppe, geboren 1960 in Hameln an der Weser, für ihr Werk verliehen. Ihre fiktive Biografie «Hoppe»  (Fischer-Verlag, 2012) hatte die Kritiker begeistert. Laudator Hubert Spiegel, Feuilletonredaktor der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», lobte Hoppes «makellose, ganz und gar unverwechselbare Prosa». Der Büchner-Preis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland, der von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt vergeben wird. Zu den bisherigen Preisträgern zählen Erich Kästner, Max Frisch, Günter Grass, Heinrich Böll, Friedrich Dürrenmatt, Elfriede Jelinek und Friedrich Christian Delius.

 
Der Chinese Mo Yan erhielt den Nobelpreis für Literatur 2012, weil er «mit halluzinatorischem Realismus Märchen, Geschichte und Gegenwart vereint». Die Wahl des Nobelpreis-Komitees in Stockholm sorgte für Diskussionen, da dem Autor zu grosse Nähe zum Regime in Peking nachgesagt wird.

 
Hans-Werner Henze, einer der bedeutendsten Komponisten, geboren am 1. Juli 1926 in Gütersloh/Westfalen, ist am 27. Oktober 2012 in Dresden, wo ihn die Semperoper und die Staatskapelle nochmals mit Aufmerksamkeit honorierten, nach kurzer Krankheit im Alter von 86 Jahren gestorben. Henzes lyrische sprachliche Begabung stand seiner musikalischen Erfindungskraft in nichts nach. Ab 1956 lebte er in Neapel und zeitweilig mit der Dichterin Ingeborg Bachmann zusammen. Bachmann schrieb für ihn die Libretti zu seinen Opern Der Prinz von Homburg (1958; nach Heinrich von Kleist) und Der junge Lord (1964; nach Wilhelm Hauff), Henze die Musik zu ihrem Hörspiel Die Zikaden (1954). Gemeinsam schufen sie die Nachtstücke und Arien (1957) sowie die Lieder von einer Insel (1964).

 

Aus Hans-Werner Henzes Essays:  ‘Ein Gedanke an Mozart: Kann man das Unbegreifliche mit Worten berühren? Muss nicht alles Reden verstummen vor diesem höchsten und erhabenen Klang, der ein Etwas hat, das sich in dem Masse verflüchtigt und zurückzieht, wie man glaubt, sich ihm zu nähern? Was triumphiert? Das Leben über den Tod? Der Tod über das Leben? Es ist der antike Triumph der Schönheit über das Unzulängliche, da das Unerreichbare erreichbar wurde, Vollkommenheit sich über das Leben erhebt mit dem Flügelschlag des apollinischen Todes. Die Form berauscht sich an sich selbst: Das Menschlichste, Humanste, was die Musik hervorgebracht hat, wie man sagt, wird von Schwäche, dem Menschlichen an sich, niemals berührt… weil diese Musik gegen das Sterbliche so ganz abgeschirmt, weil sie die Entrückung selbst ist’. (Erstdruck in: Programmheft der Hamburgischen Staatsoper, Spielzeit 1960/61).

 

 

Schweizer Buchpreis an Peter von Matt

11. November 2012: In Basel ist der mit 30’000 Franken dotierte Preis des Schweizer Buchhandels erstmals an kein belletristisches Werk vergeben worden. Für den Buchpreis nominiert waren Alain Claude Sulzer, Sibylle Berg, Thomas Meyer, Ursula Fricker und der Gewinner Peter von Matt mit seinem Essayband «Das Kalb vor der Gotthardpost. Zur Literatur und Politik der Schweiz» (Hanser Verlag, 2012). Peter von Matt, geboren 20. Mai 1937 in Stans, studierte Germanistik, Anglistik und Kunstgeschichte in Zürich, London und Nottingham und promovierte bei Emil Staiger über Franz Grillparzer; von seinem Lehrer übernahm er 1976 den Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Zürich, den er bis zur Emeritierung 2002 innehatte. Die Jury würdigte das Werk bei der Verleihung im Rahmen der Messe Buch Basel als «ein Buch, das in herausragender Weise zur Gegenwart der Schweiz spricht. In Analysen von grosser sprachlicher Kraft und gedanklicher Originalität beleuchtet Peter von Matt den Zusammenhang zwischen Literatur und Politik».

 

 

Wir empfehlen Ihnen auch Gedichte durchs Jahr von Diogenes: ein lyrischer Kalender mit 365 Gedichten. Schon Goethe sagte „Man soll alle Tage wenigstens ein gutes Gedicht lesen“. Dagegen ist nichts einzuwenden.  (Diogenes 2012, ISBN 978—3257-24179-2).

 

Er ist wieder da. Bond, James Bond. Geheimagent im Dienste Ihrer Majestät, der Queen of England mit der ‚Licence To Kill’. Diesmal rettet Bond, alias der drahtige Daniel Craig, in ‘Skyfall’ nicht die Welt, etwa den Nahen Osten oder den Arabischen Frühling, sondern kommt seiner Chefin M. (Judy Dench) zu Hilfe, denn es geht um (ihr) Leben und Tod. Doch Bond ist ausgebrannt, wird hier ein neuer Mode-Trend ‘burn-out’ salonfähig?

Medienhype in London auf dem roten Teppich vor der Royal Albert Hall und in Zürich im The Dolder Grand, wo sich die Crew ohne den britischen Hauptdarsteller Daniel Craig, aber mit dem Spanier Javier Bardem als Bösewicht, dem französischen Bond-Girl Bérénice Marlohe und dem britischen Regisseur Sam Mendes einfanden.
Den Himmelssturz in der realen Welt aus 39 Kilometern Höhe vollbrachte jedoch der Österreicher Felix Baumgartner mit Wohnsitz in der Schweiz. Dieses Prinzip des ‚höher, weiter, schneller’ konnte Bond nicht toppen, wenngleich es Crash-Actions à discrétion zu sehen gibt, zum guten Glück ist Bond ein halber Schweizer, wie wir erfahren, seine Mutter war Waadtländerin mit Namen Delacroix, das macht ihn so bodenständig, vor exotischen Kulissen und Schauplätzen in Shanghai oder Macao at night, Showdown in den schottischen Highlands, als Auftakt eine rasante Motorrad-Verfolgungsjagd über den Dächern von Istanbul, die doch auch etwas wehmütig an Hitchcocks legendäre Filme wie «Über den Dächern von Nizza» denken lässt, an den eloquent elegant stilvollen Cary Grant als smarten Ex-Juwelendieb und die unnachahmliche Grace Kelly als ironisch-intelligente Selfmadewoman («Das Fenster zum Hof» mit James Stewart), deren Leben verfilmt und nächstes Jahr auf der Leinwand zu besichtigen sein wird. (Grace. Die Biographie. Von Thilo Wydra. Aufbau-Verlag Berlin, 2012). Wird der Film die Bilder im Kopf toppen können? Kinostart ‘Skyfall’ 1. November 2012.

 

7. November 2012: Glückwunsch für Barack Obama! Unerwartet früh nach einem bis zuletzt spannenden Wahlkampf wurde Präsident Barack Obama durch eine klare Mehrheit der Elektorenstimmen zum Sieger erklärt. Der Kongress bleibt jedoch zweigeteilt, die Republikaner stellen im Repräsentantenhaus, die Demokraten hingegen im Senat die Mehrheit. Amerika gibt Barack Obama eine zweite Chance. Mitt Romney, der mit seinem ultrakonservativen Programm (Erhöhung der Militärausgaben, angedrohter Handelskrieg mit China, Reduktion der Steuern für Reiche, Abbau der Sozialausgaben, gegen die Abtreibung, gegen die Rechte der Homosexuellen) in den Wahlkampf zog, konnte die Mehrheit der Amerikaner nicht für sich überzeugen. Insbesondere die erneut in Aussicht gestellten Steuergeschenke für Ultrareiche stiessen auf  Ablehnung, ebenso unverständlich aus Schweizer Sicht, wenn Jagd auf die Steuerflucht ins Ausland gemacht wird und handkehrum Steuergelder mit staatlichem Segen grosszügig verschenkt werden. Die Zeiten werden nicht einfacher und der Kongress wird gut daran tun, im Sinne des Landes zu kooperieren. Dies erklärte auch Mitt Romney, der Obama gratulierte und ihm viel Erfolg wünschte.
 
Wir wünschen Ihnen vielseitige lyrische Entdeckungen und danken Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

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Ahoi!

 

Herzlich

Ihre Ingrid Isermann, Herausgeberin

 

Editorial