Dezember 2025 / Januar 2026
Liebe Literatur- und Kunstinteressierte, liebe Freundinnen und Freunde, herzlich willkommen auf Literatur & Kunst!
Sind Sie gut ins neue Jahr gekommen? Wir wünschen Ihnen für 2026 Glück, Erfolg und Gesundheit.
USA: Point of no Return?
Auch im neuen Jahr macht US-Präsident Donald Trump täglich in den Medien Schlagzeilen: der venezolanische Präsident Nicolas Maduro wurde anfangs Januar 2026 mit seiner Frau von einer US-Spezialeinheit in seiner Residenz in Caracas gefangen genommen und wegen Drogendelikten in New York in ein Gefängnis gebracht. Eine spektakuläre Aktion!
Der Trump grad die nächste Ankündigung folgen liess: die USA bräuchten unbedingt Grönland! Diese These hat er bereits schon länger vertreten, die nun von zahlreichen europäischen Leadern kritisiert wurde. Was aber, wenn die USA wirklich nach Grönland, das zum NATO-Land Dänemark gehört, einfällt? Werden dann die NATO-Richtlinien obsolet, einem angegriffenen Partnerstaat beizustehen, wenn es die USA selbst sind? Es grenzt an Erpressung, was sich der US-Präsident hier leistet, denn die NATO ist nach wie vor auf Zahlungen der USA angewiesen. Der in Toronto lehrende amerikanische Philosophie-Professor Jason Stanley («How Facism works») äusserte sich auf CNN heute dahingehend, dass die USA nicht mehr für Demokratie stehen, sondern für Gewalt und weisse Vorherrschaft. Europa ist gut beraten, sich auf eigene Stärken und Werte zu besinnen.
Ihre Ingrid Isermann, 6. Januar 2026
Das Jahr 2026 wird auch für die Schweiz ein ganz besonderes Jahr
Es stehen wichtige Abstimmungen bevor, wie am 8. März 2026 die «Halbierungs-Initiative» gegen die SRG und im Juni die «Keine-10-Millionen-Schweiz», beides Vorlagen von der SVP, Begrenzung liegt in ihrer DNA, auch in ihrem Horizont. Die öffentlichen Mittel der SRG zu entziehen, ist ein Angriff auf die viersprachige Schweiz als ihr einzigartiges Merkmal. Wer sonst in den Medien tut soviel für den Zusammenhalt unserer Kultur? Von den Sternstunden Philosophie und Kunst zu den viersprachigen TV-Angeboten? Die angekündigte Sparmassnahme von Bundesrat Albert Rösti hat bereits zu Personalabbau und reduzierten Sendungen geführt. Will man die Meinungsfreiheit einer unabhängigen TV-Station einschränken? Zu welchem Zweck? Das müssen sich ernsthaft alle Stimmbürger:innen fragen. Diese Inititiative gehört klar abgelehnt!
Der zweite Angriff der SVP auf die Schweiz betrifft die «10 Millionen-Schweiz», wird diese Initiative angenommen, sind die neu ausgehandelten bilateralen Verträge III mit der EU obsolet. Wir brauchen jedoch verlässliche Handelspartner, gerade in Zeiten eines disruptiven US-Präsidenten, der am WEF in Davos auch die Schweiz herunterputzte. Dass Trump Grönland übernehmen will, hat er wiederum deutlich gemacht. Nato-Generalsekretär Rutte konnte ihn mit Mühe und Not zu einer friedlichen Lösung überreden, die noch ungeklärt ist.
«10-Millionen-Schweiz-Initiative»: die Schweiz zählt bis dato etwa 9.5 Mio.Einwohner:innen. Davon sind etwa 2 Mio. Ausländer, die Hälfte davon mit Niederlassungsbewilligung, die eine Einbürgerung erleichtern, die andere Hälfte sind grossenteils von der Wirtschaft benötigte Arbeitskräfte, flukturierend nach Wirtschaftslage. Der Schweiz geht es gut, nicht zuletzt dank den ausländischen Arbeitskräften.
Im Vergleich: Die Niederlande (41.543 k2) sind etwa gleich gross wie die Schweiz (41.291 km2) mit einer Bevölkerung von 17 Mio.; Belgien ist kleiner als die Schweiz (30.688 km2) mit 11 Mio. Einwohner. Israel, halb so gross wie die Schweiz mit 22.380 km2, hat 9.1 Mio. Einwohner. In London leben auf 1’572 km2 etwa 8.8 Mio. Menschen.
Die Initiative der SVP ist nicht nur fremdenfeindlich, sondern vor allem kurzsichtig und bedrohlich, was die Zukunft der Schweiz anbelangt. Die SVP hatte noch nie eine Vision für unser Land, ausser die Gartentür zu schliessen. Dabei ist die Schweiz in Europa längst gut vernetzt mit der Europäischen Union und profitiert von den Handelsbeziehungen wirtschaftlich, kulturell und wissenschaftlich. Die SVP konzentriert sich nur auf die Lobby der Landwirtschaft, die als Wirtschaftsfaktor mit 2.5 Prozent keine grosse Rolle spielt. Das alles muss man sich vor Augen halten, und deshalb diese schädliche Initiative klar ablehnen.
Die Ukraine fiel ob der täglichen Meldungen aus den USA fast aus den Schlagzeilen, doch die Verhandlungen gehen weiter, haben bis jetzt keine Fortschritte erzielt, da Putin auf seiner Forderung besteht, den ganzen Donbass der Ukraine zu übernehmen.
Ingrid Isermann, 27. Januar 2026
Für die kommenden Winter- und Feiertage stellen wir Ihnen einen bunten Bücherreigen mit spannenden Neuerscheinungen vor, Buchtipps für erholsame Stunden sowie anregende Ausstellungstipps, u.a. die brasilianische Künstlerin Lygia Clark, eine Vertreterin des Neoconcretismo, den auch Max Bill vertrat (Kunsthaus Zürich und Museum Haus Konstruktiv). Was ein «Kunstspielhaus» bedeuten könnte, erfahren Sie in unserem Interview. Der Bildband «Dear Marilyn» von Sam Shaw zeigt bisher noch unveröffentlichte Photos der Schauspiel-Ikone sowie Dokumente und Briefwechsel aus dem Nachlass. Paul McCartney berichtet in der Publikation WINGS über die Gründung seiner erfolgreichen Band, die nach den Beatles eine weltweite Karriere machte.
Die Zeichen in der Politik stehen (noch) nicht auf Frieden. Die grösste Bedrohung Europas seit dem Zweiten Weltkrieg ist Russland unter dem Putin-Regime. Seit Februar 2022 ist die Ukraine Ziel des russischen Imperialismus. Nachdem Kanzlerin Angela Merkel im Dezember 2021 die Regierung der Bundesrepublik Deutschland verliess, nahm Putin zwei Monate später die Ukraine unter Beschuss. Nach fast vier Jahren Krieg in der Ukraine soll ein sogenannter Friedensplan, vermittelt durch die USA, die sich nicht mehr als Verbündete Europas und der Ukraine sehen, die Ukraine veranlassen, die russischen Bedingungen zu akzeptieren. Der Friedensplan ähnelt einem Diktatfrieden. Putin ist nicht von seinen maximalen Forderungen abgerückt und Politiker in seiner Umgebung sprechen davon, die Ukraine in zwei Jahren ganz zu besetzen. Die Europäische Union (EU) steht nach wie vor hinter der Ukraine, politisch, moralisch und mit Unterstützung des ukrainischen Militärs. Apropos: Präsident Selensky hat die besseren Karten, nämlich die völkerrechtlich verbriefte Souveränität seines Staates, der gegen die Invasion eines Aggressors vorgehen darf.
In Israel herrscht auf dem Gaza-Streifen ein fragiler Waffenstillstand. Die Hamas hat die verbleibenden Geiseln freigelassen, nicht aber die Waffen abgegeben. Netanyahu sollte begreifen, dass es ohne eine Zwei-Staaten-Lösung kaum Frieden in Israel geben wird. Die US- Regierung bereitet einen Plan vor, wie Gaza zukünftig verwaltet werden soll. Näheres ist dazu derzeit nicht bekannt.
Die CDU nach Angela Merkel scheint ihre Rolle noch nicht gefunden zu haben in der Koalition. Bereits vereinbarte Kompromisse mit der SPD wie die Wahl einer Bundesrichterin oder die geplante Rentenreform wurden durch den rechten Flügel der Partei, vor allem junger CDU-Mitglieder, nachträglich rückgängig gemacht oder bekämpft, was die Regierung in eine ernste Krise bringen könnte. So fragt man sich ratlos nicht nur in der CDU, wie der Altkanzler Adenauer oder Angela Merkel in diesen Situationen gehandelt hätten. Da ist fürwahr guter Rat teuer.
Und so ist es plausibel, dass gerade eine neue Biographie über den ersten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland erschienen ist: «Konrad Adenauer. Kanzler nach der Katastrophe». Der Autor Norbert Frei beschreibt Adenauers politische Stationen vom Kölner Oberbürgermeister der Weimarer Republik über die Zeit der Nazi-Herrschaft 1933-1945 bis zum Gründungskanzler der Bundesrepublik. Vor allem aber analysiert er Adenauers Politik nach der deutschen Katastrophe mit der unbedingten Westbindung, die der Kanzler gegen Widerstände durchsetzte. Frei stellt uns einen Europäer vor, der mit Charles de Gaulle zusammen die europäische Einigung in Gang brachte (siehe Buchtipp).
Manifest für Europa
Wie kann es sein, das ein kleinerer politischer Teil der Schweiz immer noch mit Europa fremdelt? Nicht mit den Menschen in Europa, in Frankreich (liebste Destination!), Italien, Spanien, Portugal, Deutschland, vom Süden in den Norden Europas, vom Westen in den Osten, freizügiges Reisen ohne Passkontrolle. Und wer sich dort niederlassen möchte, ist willkommen ohne grosse Bürokratie. Ideal für junge Menschen. Also, was sollte die Schweiz gegen Europa haben? Die Forschung? Auf keinen Fall, sie profitiert enorm, gegenseitig. Die Kultur? Auch nicht, wir möchten wissen, wie es bei den Anderen zugeht und sie möchten gerne mehr wissen von der Schweiz und ihrer Kultur. Die Wirtschaft etwa? Doch sicher nicht die zahlreichen KMU’s, aus denen die Schweizer Wirtschaft vor allem besteht. Sie wollen unbedingt mit der EU wie bisher erfolgreich Handel treiben, fragen Sie sie selbst. Also, wer hat etwas gegen die bilateralen Verträge III mit der Europäischen Union? Etwa einige Professoren, die ihre theoretischen Konstrukte darüber verlauten lassen, dass der EGH, der Europäische Gerichtshof die Souveränität der Schweiz beschneiden könnte? Nicht nur, dass andere Professor:innen da ganz anderer Meinung sind, auch haben die bisherigen Erfahrungen mit der EU, die zählen, gezeigt, dass kaum irgendein Problem mit den so geschätzten bilateralen Verträgen aufgetreten ist. Oder sind es globale Wirtschaftsbosse, die ihre Interessen vertreten und sich möglichst keinen Regeln anpassen möchten zum eigenen Vorteil? Die EU kämpft notabene auch gegen Korruption und sieht nach dem Rechten, dass niemand übervorteilt wird. Und müsste man nicht eher der EU ein Kränzchen winden, dass sie solange Geduld mit der Schweiz hatte, wieder und wieder die gemeinsamen Verträge zu überarbeiten?
Wir sind mitten im Herzen von Europa, eine Nation, die zählt und die sich nicht von Angsthasen ins Bockshorn jagen lassen und klein machen sollte. Was Dänemark, Schweden und Finnland können, mit ähnlicher Bevölkerungsstruktur, können wir auch. Die Schweiz ist souverän und sie wird es wegen der bilateralen Verträge III umsomehr sein, die die Handelsbeziehungen mit der EU vorteilhaft absichern, Rechtssicherheit garantieren wie auch den Zugang zur neuesten Forschung.
Ihre Ingrid Isermann, 1. Dezember 2025
EUROPA >< SUISSE S’IL VOUS PLAÎT! >> OUI, JA, SI!
Von Trump zu Putin: Des Kaisers neue Kleider?
Zwei Buddys, beide vernarrt in Autarkien, Macht und Reichtum, wollen geopolitische Grenzen verschieben und für sich selbst soviel Aufmerksamkeit wie möglich erwecken. Hehe, wir sind doch wer! Das allerdings wird die Zukunft entscheiden, denn es ist, wie es ist und es ist, was es ist. Dass sich Amerika als Vertreter der freien Welt unter Trump einmal mit Putins autokratischem Regime verbinden würde, hätte man weder dem einen noch dem anderen Pokerface zugeordnet. Doch die Dinge sind so, wie sie sind und sie sehen nicht gut aus für die Welt.
Dabei hätten Politiker schon früher ahnen können, dass Charaktere wie Putin nach dem Ende der Sowjetunion 1990 auf Rache sinnen könnten. Und ein Blick zurück in den fast prophetischen «Spiegel» Nr. 21 / 21.5.2007 («Die neue Eiszeit») zeigt deutlich, wie aggressiv Putin schon damals an einem EU-Russland-Gipfel in der südrussischen Stadt Samara argumentierte: «Der Putin, der den Europäern und ihrer derzeitigen Führungsmacht Deutschland in diesen Tagen gegenübertritt, ist aggressiver denn je. Es ist nicht mehr der Mann, der im September 2001 im Berliner Reichstag den «Geist der Freiheit und des Humanismus» beschwor und um die Freundschaft der Europäer und Deutschen warb. «Russland hegte gegenüber Deutschland immer besondere Gefühle», rief er damals. Der Putin im Mai 2007 verdichtet in seiner Person den geballten Machtanspruch des russischen Grossreichs, das allein schon wegen seines Atomwaffen-Arsenals und als Veto-Macht im Weltsicherheitsrat eine globale Führungsrolle einnehmen will». 65 Prozent der Deutschen glaubten damals nicht, dass sich Russland zu einer Demokratie nach westlichem Vorbild entwickeln würde.
Auch der sich anbahnende Konflikt um die Ukraine war 2007 bereits ein Thema: «Mit harten Bandagen kämpfen die Rivalen aus der Zeit des Kalten Kriegs um die Vorherrschaft in der Ukraine. Das 47-Millionen-Einwohner-Land ist der grosse Preis in ihrem neuen geopolitischen Ringen». Dabei hatte Putin noch im September 2001 gesagt: «Was die europäische Integration betrifft, so unterstützen wir nicht einfach nur diese Prozesse, sondern sehen sie mit Hoffnung». Ob das noch gelte, wollte der deutsche Aussenminister 2007 wissen, und Putin versuchte ihn zu beruhigen. Natürlich gelte das noch, versicherte der russische Präsident. Steinmeier war am Tag der Putin-Rede 2001 nicht im Bundestag gewesen. Im Gegensatz zu Kanzlerin Merkel, die distanziert in der zweiten Reihe gesessen hatte. « (…) Die CDU-Parteivorsitzende hatte sich fest vorgenommen, sich von den Worten des ehemaligen Sowjetspions nicht beeindrucken zu lassen. Als die Abgeordneten nach der Ansprache Putins 2001 aufstanden und ihm begeisterte Ovationen darbrachten, lief sie durch die Reihen der Unionsparlamentarier und verbreitete beissenden Spott. Ein Parlamentarier erinnert sich noch, wie sie ihm zuzischte: Dank sei dem «KGB».
18 Jahre später rekonstruiert der russische Historiker Sergey Radchenko in seinem Bericht über Putin die Gedankenwelt von Stalin, Chruschtschow und Breschnew aus den sowjetischen Archiven (NZZ v. 18.12.2025, «Putin betreibt Politik wie russisches Roulette») und konstatiert, dass Putin gefährlicher sei als seine Vorgänger. Er werde angetrieben von einem tiefen Gefühl der Demütigung, das er zu nutzen wisse, nur dass er das skrupelloser ausschlachte, als es Stalin je gewagt hätte.
Der angestrebte Frieden in der Ukraine mit einem von den USA und Russland ausgehandelten Vertrag steht nach fast vier Jahren auf der Kippe. Die Europäer blieben aussen vor, brachten nachträglich dennoch wichtige Punkte dazu ein. Trump sieht sich nur noch als Vermittler, liefert zwar Waffen, die aber nur die Europäer bezahlen müssen, die selbst um ihre Militärbudgets ringen, und es war absehbar, dass der Ukraine im Frühjahr die Waffen ausgehen werden. Deshalb hat die EU beratschlagt, die russischen festgefrorenen Gelder auf belgischen Konten von etwa 210 Milliarden für die Ukraine zu verwenden. In der Nacht vom 18. auf den 19. Dezember 2025 wurde nach langen EU-Verhandlungen ein Kompromiss erzielt, dass die EU der Ukraine 90 Milliarden für die nächsten zwei Jahre zinslos zum Finanzbedarf und den Abwehrkampf gegen Russland zur Verfügung stellt, abgesichert durch die russischen blockierten Vermögen. Die EU ist damit wieder im Spiel. Der Friedensvertrag, den Trump noch vor Weihnachten abschliessen wollte, wird ins nächste Jahr verschoben, während die Bombardierungen Russlands nahtlos weitergehen.
«Die Schweiz braucht Mut zur hybriden Verteidigung», schreibt die NZZ v. 19. Dezember 2025, auf der mentalen Landkarte der Selbstwahrnehmung befinde sie sich abseits der europäischen Konflikte. Diese Selbsttäuschung sei gefährlich, denn Russlands verdeckte Aktionen bedrohen das Land. Die sicherheitspolitische Strategie der Schweiz zeige, dass der Bundesrat den Ernst der Lage noch nicht erkennen möchte. Zwar benennt er die Bedrohungen wie das Aggressionspotential Russlands und die technologische Abhängigkeit der Schweiz, doch drücke er sich um klare Worte, wenn es darum geht, dass sich die Schweiz bereits heute in einem hybriden Konflikt mit Russland befindet. Die Schweiz ist immer wieder das Ziel verdeckter Aktionen des Kremls. Die Gruppe NoName057 hat schon mehrmals Schweizer Websites angegriffen sowie Desinformationen mit gefälschten Plakaten 2022 verursacht, die grosse mediale Reaktionen und Verunsicherung ausgelöst haben. Der Konflikt, den Russland gegen den Westen führt, findet ohne offizielle Kriegserklärung statt, beginnt nicht mit Lenkwaffen, sondern der Unterwanderung des politischen Systems mit Falschinformationen zur Spaltung der Gesellschaft. Die Abwehr kann nur gelingen, wenn die Behörden, die privaten Organisationen und Unternehmen sowie die Bevölkerung mitwirken. Gefragt wäre deshalb eine Koordinationsstelle für die zivile Gesamtverteidigung zu schaffen.
Die Schweiz gehört zu Europa. Daran ändern weder die Skepsis gegenüber den bilateralen Verträgen III gewisser Kreise noch das Beschwören der Neutralität etwas. Mit ihrem föderalen System und ihrer halbdirekten Demokratie gehört die Schweiz zum Herzen des freiheitlichen Europa. Und dieses ist das Ziel der russischen Agitation gegen den liberalen Westen. Die Schweiz kann in diesem Konflikt nicht abseitsstehen (NZZ, 19.12.2025). Die Schweiz muss sich und ihre Bevölkerung verteidigen, nicht nur Russland, auch andere Autarkien wie China oder Iran arbeiten gegen den Westen und unsere demokratischen Werte. Mit der Trumpschen Politik scheint die Welt und Europa noch unsicherer zu werden. Die Schweiz sollte den Mut und die Ehrlichkeit aufbringen, sich dieser neuen Realität zu stellen.
Ich wünsche Ihnen frohe, erholsame Festtage, Mut und Optimismus fürs Neue Jahr 2026!
Ihre Ingrid Isermann, 19. Dezember 2025
PS. Auch am Wochenende 20./21. Dezember verhandelten in Miami amerikanische, russische und ukrainische Vertreter über den amerikanischen Friedensvertrag. Ein Durchbruch wurde nicht erzielt. Russland hält an seinen Kernforderungen fest, auch denjenigen Teil des Donbass, den er noch nicht erobert hat, zu kontrollieren. Zwar deutete Putin Gesprächsbereitschaft mit Macron an, jedoch dämpfte Kremlsprecher Peskow die Erwartungen an konkrete Ergebnisse. Putins aussenpolitischer Berater Juri Uschakow wiederholte am Sonntag, Vorschläge zum amerikanischen Friedensplan aus Kiew und von europäischen Staaten trügen aus russischer Sicht nicht zur Aussicht auf einen dauerhaften Frieden bei. Erst Freitag hatte Putin in seiner Jahrespressekonferenz zudem deutlich gemacht, dass Russland an seinen Bedingungen für ein Ende des Krieges festhält.
22. Dezember 2025
Buchtipps
Norbert Frei: Konrad Adenauer. Kanzler nach der Katastrophe. Biographie.
Der erste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland bildete nach der NS-Diktatur und dem Zweitem Weltkrieg die erste Bundesregierung von 1949-1963 und verankerte die Demokratie im Westen des geteilten Deutschlands. 1949 wurde im Osten Deutschlands die DDR, Deutsche Demokratische Republik, von sowjettreuen Kommunisten gegründet, die bis 1989 währte. Konrad Adenauer legte die Fundamente einer Erfolgsgeschichte, die den Westdeutschen auf Jahrzehnte hinaus Wohlstand und Frieden bescherten. Norbert Frei, renommierter Autor und Professor em. für Geschichte an der Universität in Jena, schildert anlässlich des 150. Geburtstages Leben und Leistung des ersten Bundeskanzlers (1876-1967) aus der Perspektive der Gegenwart. Er beschreibt Adenauers politische Stationen vom Kölner Oberbürgermeister der Weimarer Republik über die Zeit der Nazi-Diktatur, die Adenauer isoliert verbrachte, bis zum zupackenden Gründungskanzler. Vor allem aber analysiert er Adenauers Politik nach der deutschen Katastrophe: die unbedingte Westbindung, die der Kanzler gegen zahlreiche Widerstände und Hindernisse bei der Entwicklung einer demokratischen politischen Kultur durchsetzte. Frei stellt uns einen konservativen Katholiken und pragmatischen Taktiker, einen weitblickenden Europäer und einen seinem Volk mit Skepsis begegnenden Deutschen als einen der grossen Staatsmänner des 20. Jahrhunderts vor. Konrad Adenauer, 1965: «Ich habe mich nicht beirren lassen». C.H. Beck Verlag, 2025.
Daniele Muscionico: Pionierinnen. Starke Schweizer Frauen.
Der Nachfolgeband der Porträts «Starke Schweizer Frauen» von Daniele Muscionico widmet sich nun in 20 weiteren Porträts den eigenwilligen Pionierinnen in der Schweiz, die unterschiedliche Facetten weiblicher Lebensmöglichkeiten aufzeigen, was Frauen über Jahrhunderte hinweg gewagt, Neues geschafft und gelebt haben. Die Pionierinnen verstanden es, Spielräume zu nutzen und und sich als Nonkonformistinnen über die vorgegebenen Geschlechtsbilder hinwegzusetzen. Bei der Buchvernissage in Zürich lauschten die Zuhörenden gebannt den Geschichten über Frauen, die bisher unbekannt oder bereits vergessen waren und in den fesselnden Porträts zu neuem Leben erweckt wurden. Viele der Porträtierten gehörten der Oberschicht an, von Hochadeligen bis zu Frauen aus Bankiers- und Industriellenfamilien. Vom Mittelalter bis zur Französischen Revolution besetzten vornehme Damen wegen fehlender männlicher Erben oder als Witwen machtpolitische Positionen, die sie in ihrem Sinne ausfüllten. Ebenso die Äbtissinnen, die von ihren Familien ins Kloster geschickt wurden. Frauenklöster boten den Nonnen den Zugang zu höherer Bildung, die sonst Männern vorbehalten war. Andere avancierten im Kunstbetrieb als Erbinnen grosser Vermögen zu Mäzeninnen oder öffneten ihr Haus für europäische Intellektuelle und Kulturschaffende, wie beispielsweise Martha Stettler (1870-1945), die Bombennächte und Ferdinand Hodlers Zurückweisung überlebte und in Paris die Kunst befreite, nach ihrem Tod aber vergessen ging. Limmat Verlag, 2025.
Barbara Traber: Sie sind noch da. Sechs schon vergessene und schreibende Frauen und viele mehr.
Eine Welt ohne Bücher, ohne Literatur? Das ist für die Autorin Barbara Traber unvorstellbar. Und sie hat Schriftstellerinnen nicht nur durch ihre Werke, sondern persönlich kennengelernt, mit vielen Autorinnen verband sie auch eine lebenslange Freundschaft. Die sehr persönlichen biographischen Beiträge über sechs unterschiedliche, kaum mehr bekannte Autorinnen, sind schillernde Porträts schriftstellerischer Wertschätzung. Sie reichen von der Mundartdichterin Gertrud Burkhalter über die Lyrikerin Radka Donnell, der Dramatikerin Brigitte Meng, der Jugendschriftstellerin Elsa Muschg, der Primarlehrerin Anna Ramseier-Lieberherr, der Journalistin Lys Wiedmer-Zingg bis zu einem erhellenden Essay über das lyrische Schaffen von Deutschschweizer Autorinnen 1800-1945. Das Buch erlaubt bewegende Einblicke in die persönlichen Zeichen der Freundschaft, wie beispielsweise zur Quilt-Künstlerin und Lyrikerin Radka Donnell (1928-2013), die in Sofia/Bulgarien geboren, die Kriegsjahre in Deutschland verbrachte, 1951 in die USA emigrierte, nach einem Universitätsabschluss an der Stanford Universität 1954 den Master of Fine Arts an der University of Colorado erwarb. Sie war mit dem Architekturdozenten Adolf Max Vogt verheiratet und Mutter zweier Töchter. Radka lebte in Zürich und publizierte Gedichte auf Deutsch und Englisch. Neptun Verlag, 2025
Katja Früh: Vielleicht ist die Liebe so.
Katja Früh, Drehbuchautorin und Regisseurin (Lüthi und Blanc für SRF), schildert eine komplizierte Mutter-Tochter-Beziehung und die Auswirkungen der übergriffigen Mutter auf die Tochter. Die Mutter, egozentrisch und topfit, hat beschlossen, ihrem Leben ein Ende zu setzen. «Der Termin ist am 18. Februar um vier. Trag dir das ein!», sagt Anjas Mutter. Der Termin steht, die Einladungen zur Trauerfeier müssen nur noch verschickt werden. Alle Einwände der Tochter zu diesem Entscheid haben nichts gefruchtet, die ohnmächtig dem Vorantreiben zusieht. Anja, Anfang vierzig, früher Schauspielerin, nun Barkeeperin, wirft das aus der Bahn, sie weiss nicht, wie sie reagieren soll und holt sich Rat bei ihren Freunden in der Bar, bei ihrem Exfreund, der besten Freundin ihrer Mutter, Nelly, sowie ihrem Therapeuten und vor allem Benjamin, der nach Jahren in London wieder in der Stadt lebt. Die Familienstory erzählt Katja Früh in beschwingter Weise und widmet sich mit melancholischen Untertönen dem schwierigen Thema Sterbehilfe. Eine aktuelle Thematik, die das flüssig geschriebene Buch als Denkanstoss aufnimmt, über die eigene Vergangenheit nachzudenken. Nicht zuletzt kommen so profane Fragen auf, was aus dem Hund werden soll. Diogenes Verlag, 2025
Adelheid Duvanel: Es gibt Tage. Feuilletons, Kolumnen, Rezensionen.
Die neu veröffentlichten Zeitungstexte von Adelheid Duvanel zeigen eine bisher unbekannte Seite der sprachmächtigen Schriftstellerin. In den 1960er- und 1970-er Jahren arbeitet sie als Kulturjournalistin und schreibt zahlreiche Feuilletons und Kolumnen für die Basler Nachrichten (Junge Basler sehen den Sonntag) sowie unter dem Decknamen Martina für die Gratiszeitung Doppelstab. Die Texte faszinieren durch ihren Facettenreichtum, von präzisen Alltagsbeobachtungen, persönlichen und zeitkritischen Bemerkungen bis hin zu fantastischen Szenarien mit fliessendem Übergang zu Erzählungen. Oft leichtfüssig und ironisch, spielen sie im Bus, auf der Strasse oder im Café und handeln unterhaltsam, doch tiefgründig von den Abenteuern des alltäglichen Lebens. Ihre Rezensionen vermitteln den eigensinnigen Blick und die Perspektive der Autorin auf Literatur. Adelheid Duvanel schreibt unter anderen auch über Ingeborg Bachmann, Vladimir Nabokov und über die ihr nahestehenden Robert Walser und Franz Kafka. «Es gibt Tage» ergänzt nach dem erzählerischen Werk «Fern von hier» und dem Briefband «Nah bei Dir» die dreibändige Werkausgabe Adelheid Duvanels im Limmat Verlag. Die Herausgeberin Prof. Dr. Christine Weder lehrt Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Genf. Limmat Verlag, 2025.
Eva-Maria Berg. Gesammelte Gedichte 2010-2023.
Geboren 1949 in Düsseldorf, studierte Eva-Maria Berg Germanistik und Romanistik in Freiburg. Die in Waldkirch lebende deutsche Autorin schreibt Lyrik, Prosa und Essays und wirkt speziell im deutsch-französischen Raum grenzüberschreitend bei Projekten, Übersetzungen und interdisziplinärer Zusammenarbeit mit. Ihre «Gesammelten Gedichte 2010-2023» erschienen 2025, die ebenfalls davon sprechen, Grenzen zu überwinden und Menschen zu verbinden. ich stelle mich / selbst in frage / und kann nicht / auf antwort hoffen / statt gleichgewicht / such ich bewegung / von aussen nach / innen und wieder / zurück ich eile um / dennoch zu bleiben / in der unruhe / weiterlebend / ob irgendwo / raum ist / der offenheit / birgt. Gedichte und Fotografien aus Marseille im Fotoband «Massalia – am anderen ende vom meer» vermitteln poetische Impressionen von ihren Reisen nach Marseille, von der Magie des Meeres und des Lichts und den Begegnungen mit der wechselvollen Geschichte der berühmten Hafenmetropole und den Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kulturen. am anderen ende vom meer / lebt niemand mehr / wie früher und doch / beginnt ein tag / das grelle licht / scheint mild im / labyrinth der gassen / zuflucht auch ohne / dach das kein / versprechen hält / während die mauern / brüchig werden / angesichts uferloser blicke. Edition Isele, 2025.
Monika Stocker: Frieden ist ein Tätigkeitswort.
«Was die Welt im Innersten zusammenhält – wer wüsste das nicht, wenn nicht Frauen, Mütter, Grossmütter»: Frieden IST eine alltägliche Aufgabe – und eine Realität, die nicht vergessen gehen sollte. Denn Frauen tun Frieden, sie wissen, was sie tun.
Die «Women’s International League for Peace and Freedom» (WILPF) wurde vor genau 110 Jahren 1915 gegründet, mitten im Ersten Weltkrieg. Aus diesem Anlass und ihr zur Ehren hat die «Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit» (WILPF) ein Buch herausgegeben, geschrieben von Monika Stocker, Alt-Stadträtin Zürich und Autorin, mit Geschichten berühmter, unbekannter oder vergessener Frauen. Die Texte in Briefform berühren, klingen an und klingen nach und erläutern, wieviel Zivilcourage einzelne Frauen in ihrem Leben aufgebracht haben, um Verhältnisse zu ändern. Von u.a. Hannah Arendt zu Dorothee Sölle, von Bertha Freifrau von Suttner über Christa Wolf zu Clara Ragaz. Die Soziologin und Genderforscherin Franziska Schutzbach, 1978 in Deutschland geboren, lebt in der Schweiz und hat verschiedene beachtete Bücher über die Genderforschung verfasst, wie u.a. «Erschöpfung der Frauen» vom Burnout und dem Alltag, wie ihn Frauen zwischen Erkämpftem, Erreichtem und noch Fehlendem erleben. Ihre Publikation «Revolution der Verbundenheit. Wie weibliche Solidarität die Gesellschaft verändert» ist 2024 im Droemer Verlag, München erschienen.
Die WILPF setzt sich für Frauenanliegen ein und veranstaltet regelmässig Vorträge und Diskussionen: 20. Januar 2025, 19-21 Uhr: «WILPF diskutiert II» mit Input von Esther Gisler Fischer zum Thema «Toxische Männlichkeiten», Gartenhofstrasse 7, 8004 Zürich. Mit kleinem Apéro. Infos: www.wilpfschweiz.ch; info@wilpfschweiz.ch
Ingrid Isermann, 12. Dezember 2025.
«Premiere im Schauspielhaus Zürich: Il Gattopardo – Ein fulminantes Theaterereignis!»
Man war gespannt, wie würde die Intendantin Pinar Karabulut den Jahrhundertroman der Weltliteratur «Il Gattopardo» des sizilianischen Fürsten Giuseppe Tomasi di Lampedusa auf der Schiffbau-Bühne des Schauspielhauses Zürich inszenieren? Die glühende Hommage um Glanz und Untergang eines sizilianischen Adelsgeschlechts im 19. Jahrhundert blieb als Kultfilm von Luchino Visconti und zuletzt als Netflix-Serie in Erinnerung.
Die zauberhafte Inszenierung von Pinar Karabulut eroberte im Sturm die Herzen des Zürcher Publikums, angefangen vom Salon-Bühnenbild des sizilianischen Palazzo mit Gemälden, Seidentapeten und Kronleuchtern (Michela Flück) zu den opulenten Kostümen mit Reifröcken (Sara Valentina Giancane) und vor allem einem begeisternden Schauspielensemble! Man kann einfach nur staunen über die szenische Bilderfolge, die den Glanz der verlorenen Epoche um Tradition, Aufbruch und Leidenschaft widerspiegelt.
Don Fabbrizio, Fürst von Salina (Markus Scheumann), setzt am Schluss der gefeierten Theateraufführung einen weiteren Höhepunkt mit einem ergreifenden Monolog über den Abschied: «Wir sind die letzten Leoparden, nach uns kommen die Schakale und Schafe». Den Beginn des neuen Zeitalters verkörpern sein Neffe Tancredi (Mouataz Alshaltouh) und die verführerische Angelica (Mirjam Rast), die ihre bürgerliche Herkunft hinter sich lassen will. Seine Tochter Concetta (Sophia Mercedes Burtscher) bleibt unverheiratet. «Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, muss alles sich ändern». «Il Gattopardo» zeigt die wechselvolle Geschichte Siziliens, für das die Befreiung aus der Knechtschaft fremder Obrigkeiten nur Abhängigkeit in einer neuen Ordnung bedeutete. Erzählt wird eine Welt über einen Zeitraum von fünf Jahrzehnten, die Italien bis heute prägten, wie unsere Welt sich verändert und wie wir selbst mit Veränderung leben wollen.
Premiere im Schiffbau, 29.11.2025. Infos: schauspielhaus.ch
Ingrid Isermann, 30. November 2025
Premiere im Schauspielhaus Zürich: «3 Schwestern» als Ariadnefaden von Barbi Marković
«3 Schwestern» haben nichts mit Tschechows gleichnamigem Theaterstück zu tun. Die serbische Autorin Barbi Marković präsentiert in ihrem ersten Auftragswerk für das Schauspielhaus Zürich drei Schwestern als Ariadnefaden, der sie im Leben wie auch im Tod verbindet. Aber von Anfang an: der Auftakt beginnt mit einem QR-Code, wo die Zuschauer:innen ihr Handy einschalten und die Szenen mitverfolgen können. In der geometrischen Landschaft mit Kuben und Quadern (Bühnenbild Michael Simon) resümieren die drei Schwestern Lejla, Nina und Marija (Lena Urzendowsky, Verena Jost und Sabine Waibel) ihr Leben, poetisch, politisch und gnadenlos, was das Publikum mit Lachsalven quittiert. Eine Tour d’Horizon über geschwisterliche Befindlichkeiten: surrealistisch und tiefgründig aberwitzig vom Wiener Schmäh bis zu soziokulturellen Statements. Als die Therme ihrer Altbauwohnung in Wien explodiert und die Schwestern sterben, gerät die Szene zu einem bizarren Comic, spooky und pretty cool (Ich bin gerne tot; Männer sind Männer, weil sie Uhren tragen). Während die Schwestern als Geister weiterstreiten und sich dabei verheddern, bedienen die Bros den Prepper-Zeitgeist, die sich auf ein Leben nach dem Weltuntergang vorbereiten. In die Wiener Altstadtwohnung ist die Psychologin Evelyn Glanzl (umwerfend komisch: Karin Pfammatter) eingezogen, die die Schwestern nicht nur als Geister wahrnimmt, sondern auch als diskursive Partnerinnen, wo sich ein Gespräch über das Jenseits entspinnt. Das Theaterstück in der Inszenierung der Wiener Regisseurin Christina Bona Maria Tscharyiski versteht sich als allgegenwärtige Allegorie zwischen Dark Comedy, Politik und Komik.
Premiere 17. Januar 2026, Infos: schauspielhaus.ch
Ingrid Isermann, 17. Januar 2026
(Barbi Marković: siehe auch Archiv Literatur&Kunst 09/2024).
Zum 150. Geburtstag von Rainer Maria Rilke
SONETT
O das Neue, Freunde, ist nicht dies,
dass Maschinen uns die Hand verdrängen.
Lasst euch nicht beirrn von Übergängen,
bald wird schweigen, wer das ‚Neue‘ pries.
Denn das Ganze ist unendlich neuer,
als ein Kabel und ein hohes Haus.
Seht, die Sterne sind ein altes Feuer,
und die neuern Feuer löschen aus.
Glaubt nicht, dass die längsten Transmissionen
schon des Künftigen Räder drehn.
Denn Äonen reden mit Äonen.
Mehr, als wir erfuhren, ist geschehn.
Und die Zukunft fasst das Allerfernste
rein in eins mit unserm innern Ernste.
Rainer Maria Rilke
4. Dezember 2025
Was können Sie auf Literatur & Kunst entdecken?
Literaturnobelpreisträger László Krasznahorkai: «Im Norden ein Berg, im Süden ein See, im Westen Wege, im Osten ein Fluss». Fischer TB Verlag, 2025. Hier zeigt sich der Autor von seiner meditativen Seite, ein wunderbares Kleinod.
Ilma Rakusa: «Wo bleibt das Licht». Droschl Verlag, 2025. Die Tagebuchprosa beginnt nach dem Angriffskrieg Russlands in die Ukraine und reflektiert einfühlsam das persönliche und politische Geschehen während den letzten zwei Jahren.
Volker Weidermann: «Wenn ich eine Wolke wäre. Mascha Kaléko und die Reise ihres Lebens». Kiepenheuer & Witsch Verlag, 2025. Die Lyrikerin Mascha Kaléko kehrte 1956 aus dem Exil in den USA nach Deutschland zurück und reiste ein Jahr lang durch das Land. Würde ihr geliebtes Berlin wieder zu ihrer Heimat werden?
Kunsthaus Zürich: «Lygia Clark. Kunst und Leben im Kontext entdecken». Die brasilianische Künstlerin Lygia Clark ist eine Entdeckung, hier ist sie mit ihrer vielfältigen, dem Neoconcretismo zugeschriebenen Kunst kaum bekannt. Sie sprengte die Grenzen zwischen Subjekt und Objekt und integrierte Kunst in ihr Leben.
Photograph Sam Shaw: «Dear Marilyn. Die unveröffentlichten Briefe und Photographien». Schirmer/Mosel Verlag, 2025. Es gibt sie tatsächlich, bisher unveröffentlichte Photos der Schauspiel-Ikone. Und erhellende Briefbeiträge und Dokumente aus dem Nachlass, die mehr über den Menschen Marilyn Monroe erfahren lassen.
Paul McCartney: «WINGS. Die Geschichte einer Band on the Run». H.C. Beck Verlag, 2025. Hier berichtet Paul McCartney zusammen mit Herausgeber Ted Widmer, wie er zusammen mit seiner Frau Linda McCartney und den Bandmitgliedern eine erfolgreiche Band nach den Beatles aufbaute.
Aktuelle Filmtipps halten Sie wie immer auf dem Laufenden, was im Kino läuft.
Christ & Gantenbein: «Typology». Park Books, 2025. Der lang erwartete dritte Band der «Typologie» über den Städtebau zeigt Bauten in Taschkent, Genua, Tbilisi und Casablanca.
Kazuo Shinohara: «3 Houses». Park Books 2025. Eine Trouveille – poetisch, brillant und ästhetisch!
Penzel Valier: «Architecture, Construction, Design 2007-2024». Park Books 2025. Eine ausführliche Monografie.
Mark Linder: «That’s Brutal, What’s Modern? The Smithsons, Banham, and the Mies-Image». Park Books, 2025. Eine Untersuchung des New Brutalism durch die Brille von Alison und Peter Smithsons anhaltendem Interesse an Ludwig Mies van der Rohe.
Widescreen: Kunsthaus Zürich. LYGIA CLARK. Retrospektive. 14. November 2025 bis 8. März 2026 (siehe KUNST).
«Das Kunstspielhaus»: Julieta Schildknecht im Gespräch mit Nora Hauswirth und Dorothea Strauss über einen möglichen neuen Ort der Kultur in Zürich.
«Die Holländerinnen», Hanser Verlag, 2025. Eine Rezension von Ute Seiderer über den Roman der dreifach ausgezeichneten Schweizer Buchpreisträgerin Dorothee Elmiger, der Aufsehen erregte.
«Meiningen. Eine royale Perle». Reportage von Marc Peschke. Eine romantische Reportage im Winter- und Weihnachtszauber in Thüringen.
Wir wünschen Ihnen eine angenehme Zeit mit Literatur & Kunst, frohe Festtage und alles Schöne und Gute für das kommende Jahr, das uns allen Frieden bringen möge. Und wir danken Ihnen für Ihr grosses Interesse mit Leser:innen in ganz Europa, den USA, China und Singapur, bleiben Sie uns treu!
Herzlich
Ihre Ingrid Isermann, Herausgeberin