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ZurichFilmFestival: Filmemacher und Dramatiker Martin McDonagh erhält den «A Tribute To … Award»

Von Ingrid Isermann

Das 22. Zurich Film Festival zeichnet den Oscarpreisträger Martin McDonagh mit dem prestigeträchtigen «A Tribute To … Award» für sein Filmschaffen aus. Der Ehrenpreis wird dem irischen Regisseur und Drehbuchautoren während der Gala Premiere seines neuen Films «Wild Horse Nine» persönlich in Zürich überreicht.

Der Oscar- und BAFTA-prämierte Regisseur und Drehbuchautoren Martin McDonagh hat mit seinen Filmen einen unverwechselbaren Stil geschaffen, der schwarzen Humor, scharfsinnige Dialoge und komplexe Figurenpsychologien auf einzigartige Weise verbindet: Seine Werke prägen das zeitgenössische Kino auf eine einmalige Art und wurden international mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt.
 
In seinen Filmen setzt McDonagh dabei wiederholt auf die inspirierende Zusammenarbeit mit Schauspielgrössen wie Colin Farrell (ZFF Golden Icon Award 2025), Brendan Gleeson, Sam Rockwell oder Woody Harrelson. Bereits 2017 war McDonaghs Werk «Three Billboards outside Ebbing», «Missouri» am ZurichFilmFestivalvertreten. 2022 wurde sein preisgekrönter Film «The Banshees of Inisherin» als Gala Premiere am ZFF präsentiert, bevor er in der folgenden Awards Season neun Oscar-Nominierungen in acht Award-Kategorien erhielt.
 
Am diesjährigen Zurich Film Festival wird McDonagh während der Gala Premiere seines neuen Spielfilms «Wild Horse Nine» (2026) mit dem «A Tribute To … Award» für sein filmschöpferisches Wirken ausgezeichnet. Im Rahmen eines ZFF Masters wird er zudem exklusive Einblicke in seinen kreativen Schaffensprozess geben.
 

«Martin McDonagh ist einer der aufregendsten Autorenfilmer seiner Generation», erklärt Christian Jungen, CEO des Zurich Film Festival:«Er ist ein Meister des schwarzen Humors und der Figurenzeichnung. Mit seiner unverwechselbaren Handschrift versteht er es wie kaum ein anderer, sein Publikum durch ein Zusammenspiel von sorgfältig komponierter Kameraführung, stimmungsvollem Setting und cleverem Storytelling und dem artistischen Fingerspitzengefühl für die Balance zwischen dem Absurden und dem Vertrauten in seinen Bann zu ziehen. Man fiebert mit seinen kauzigen Charakteren stets mit und ist immer wieder aufs Neue fasziniert von den grotesken Situationen, in die er sie in seinen stets grossartig geschriebenen Dramen hineinmanövriert. McDonaghs Talent für eine komplexe, nuancierte Schauspielerführung zeichnet seinen unverkennbaren Stil aus. So auch in «Wild Horse Nine», der unserer Meinung nach einer der besten Filme der Saison ist. Wir haben schon frühere Meisterwerke von McDonagh gezeigt und freuen uns sehr darauf, ihn für seinen Beitrag zur Filmkunst auszeichnen zu dürfen».
 

Irischer Scharfsinn und schwarzer Humor 

Der preisgekrönte Filmemacher und Dramatiker Martin McDonagh wurde 1970 in London geboren und ist irischer Abstammung. Er machte erstmals hinter der Kamera mit seinem Oscar-prämierten Kurzfilm «Six Shooter» auf sich aufmerksam, bevor er die Regie und das Drehbuch für die von Kritikern gefeierten Spielfilme «In Bruges», «Seven Psychopaths», «Three Billboards outside Ebbing», «Missouri» und «The Banshees of Inisheerin» übernahm. McDonagh wurde vielfach ausgezeichnet und für zahlreiche bedeutende Filmpreise Oscar-nominiert.
 

Bei den BAFTA-Awards wurde er zwölfmal nominiert und gewann sechs Auszeichnungen für den Besten Film und den Besten Britischen Film für «Three Billboards outside Ebbing», «Misouri», den Besten Britischen Film für «The Banshees of Inisherin» sowie dreimal den Preis für das Beste Originaldrehbuch. Zudem wurde McDonagh für diese Filme dreimal mit einem Golden Globe ausgezeichnet: in der Kategorie Bester Film – Drama sowie zweimal für das Beste Drehbuch. Darüber hinaus war er zweimal für den Golden Globe als Bester Regisseur nominiert.

McDonagh ist zudem ein versierter Dramatiker. Zu seinen Werken gehören die Stücke The Beauty Queen of Leenane, The Lonesome West, The Lieutenant of Inishmore, The Cripple of Inishmaan, The Pillowman, und Hangmen, die alle sowohl im Londoner West End als auch am Broadway inszeniert und in mehr als 30 Sprachen in über 40 Ländern gespielt wurden. McDonagh wurde unter anderem mit einem Olivier Award für die Beste Neue Komödie (The Lieutenant of Inishmore) und mit zwei Olivier Awards für das Beste Neue Theaterstück (The Pillowman und Hangmen) ausgezeichnet. 

Seit 2005 verleiht das Zurich Film Festival den «A Tribute To … Award» an herausragende Auteur-Filmemacherinnen und -Filmemacher in Anerkennung ihres Beitrags zur Filmgeschichte. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Noah Baumbach, Edward Berger, Todd Haynes, Paolo Sorrentino, Wim Wenders, Olivier Assayas, Claire Denis, Michael Haneke, Oliver Stone, Maïwenn und Luca Guadagnino. 

 
Hollywood in Zürich: Julianne Moore, Naomi Watts, Casey Affleck, Willem Dafoe, Olivia Colman, Juliette Binoche und weitere Stars am 22. Zurich Film Festival
 
An der heutigen Medienkonferenz orientierte Christian Jungen, CEO des Zurich Film Festivals, getreu dem Motto der 22. Ausgabe «Dream Big», dass das ZFF besonders viele Filme mit positiven Vorbildern zeigt und grosse Stars des internationalen Kinos nach Zürich bringt. Insgesamt präsentiert das Festival während elf Tagen 133 Filme, darunter 46 Welt- und Europapremieren so viele wie noch nie. Zudem werden 21 Schweizer Filme gezeigt, ebenfalls ein neuer Rekord.
 
Neben den Stars aus Hollywood und dem europäischen Kino sind rund 500 Filmschaffende zu Gast, die ihre neuesten Werke persönlich dem Publikum vorstellen. Zu den erwarteten Gästen gehören unter anderem Julianne Moore, Naomi Watts, Tom Hiddleston, Willem Dafoe, Olivia Colman, Jesse Eisenberg, John Turturro, Juliette Binoche, Leïla Bekhti, Wim Wenders, Anna Kendrick, Casey Affleck, Alexander Skarsgård, Richard Linklater, Joe Locke, Martin McDonagh, Danny Boyle und Kane Parsons. «Mit dem ZFF feiern wir das Kino, das sich zurzeit wieder grosser Beliebtheit erfreut, vor allem bei den jüngeren Generationen. Mit unserem Programm wollen wir Lust machen, wieder vermehrt Filme gemeinsam auf der grossen Leinwand zu erleben», erklärt Christian Jungen, CEO des Zurich Film Festival.
 

Ein besonderer Gast erwartet das Publikum an der Award Night des Zurich Film Festival: Hollywoodstar Andy García wird am 3. Oktober im Opernhaus seinen neuen Film «Diamond»präsentieren und gemeinsam mit den Preisträgerinnen und Preisträgern den Festivalabschluss feiern. Mit diesem Film stellt García sein bislang persönlichstes Regieprojekt vor – eine Film-Noir-Hommage an seine Wahlheimat Los Angeles, in der er Regie führt, das Drehbuch und die Filmmusik schrieb, produzierte und die Hauptrolle übernimmt. Zum hochkarätigen Ensemble gehören unter anderem Bill Murray, Dustin Hoffman, Brendan Fraser und Vicky Krieps. García, der 1991 für seine Rolle in «The Godfather Part III»für einen Oscar nominiert wurde, ist bekannt aus Filmen wie «The Untouchables, Black Rain, When a Man loves a Woman und Ocean’s Eleven». 

 
Leïla Bekhti erhält Golden Eye Award
 
Das Zurich Film Festival ehrt die französische Schauspielerin Leïla Bekhti mit dem Golden Eye Award für ihre herausragende Karriere und ihre eindrückliche Leistung in «Violette», dem neuen Film von Jean-Pierre Jeunet nach dem internationalen Bestseller von Valérie Perrin. Sie wird die Auszeichnung am 1. Oktober persönlich entgegennehmen und im Rahmen eines ZFF Masters über ihre Karriere sprechen. Seit fast zwei Jahrzehnten zählt Bekhti zu den prägenden Schauspielerinnen des zeitgenössischen französischen Kinos und bewegt sich souverän zwischen Autorenkino und grossen Publikumserfolgen. Zu ihren bekanntesten Filmen gehören «A Prophet»von Jacques Audiard, «All that glitters, The Source, Sink or Swim, The Restless und All your Faces». 2026 war sie zudem Präsidentin der Jury der Sektion Un Certain Regard beim Filmfestival in Cannes.

 
Weitere Preisträger am diesjährigen Zurich Film Festival:
Julianne Moore – Golden Icon Award
Naomi Watts – Golden Eye Award
John Turturro – Golden Eye Award
Tom Hiddleston – Golden Eye Award
Luna Wedler – Golden Eye Award
Martin McDonagh – A Tribute To … Award
Richard Linkalter – Career Achievement Award
Gabriel Yared – Career Achievement Award 
 
Der Ticketverkauf startet am 14. September um 10:00 Uhr über den Online-Ticketshop des Zurich Film Festival.
9. September 2026

 

Naomi Watts erhält Golden Eye Award
Das Zurich Film Festival (ZFF) zeichnet die Schauspielerin Naomi Watts mit dem Golden Eye Award für ihre herausragende Leistung im Film «The Housewife» von Ben Shirinian aus. In Zürich präsentiert sie ihr neustes Werk, in dem sie die geheimnisvolle Gattin eines mutmasslichen Nazis verkörpert. Die preisgekrönte Schauspielerin wird die Auszeichnung am 26. September persönlich entgegennehmen und im Rahmen eines ZFF Masters Einblick in ihr Schaffen geben.
 
Naomi Watts zählt seit mehr als zwanzig Jahren zu den grossen Ausnahmetalenten Hollywoods. Sie ist eine Künstlerin, die mit ihrer emotionalen Tiefe, ihrer Wandlungsfähigkeit und ihrer kompromisslosen Hingabe an ihre Rollen weltweit für Furore sorgt und zwei Oscar-Nominierungen sowie zahlreiche weitere internationale Auszeichnungen erhielt. 2001 gelang ihr mit dem Mystery-Drama «Mulhulland Drive» von David Lynch der internationale Durchbruch und sie wurde dafür mit mehreren Kritikerpreisen ausgezeichnet. Seither bewegt sie sich mit bemerkenswerter Leichtigkeit zwischen intimen Independent-Produktionen und grossen Hollywood-Erfolgen.
 
Nebst David Lynch hat sie mit Regisseuren wie David Cronenberg, Alejandro González Iñárritu und Peter Jackson zusammengearbeitet und dabei ein untrügliches Gespür für Frauenfiguren bewiesen, die mit gesellschaftlichen Erwartungen ringen. In «The Housewife» verkörpert sie eine elegante, undurchschaubare Frau in New York in den 1960er-Jahren, deren makellose Fassade langsam zu bröckeln beginnt, als ein junger Journalist der New York Times der dunklen Vergangenheit ihres Mannes auf die Spur kommt. Gleichzeitig erzählt der Film eine wahre Geschichte, die eindrucksvoll zeigt, wie unverzichtbar investigativer Journalismus für die Aufdeckung historischer Verbrechen ist. Naomi Watts gelingt dabei eine der eindringlichsten Darstellungen ihrer Karriere und wir sind stolz, sie hierfür mit dem Golden Eye Award auszuzeichnen», so Christian Jungen, CEO des Zurich Film Festival.

«Es ist mir eine grosse Ehre, mit dem Golden Eye Award des Zurich Film Festival ausgezeichnet zu werden. Ich kann es kaum erwarten, diese Auszeichnung in einem so grossartigen Umfeld entgegenzunehmen, und ich danke dem Filmfestival für die Würdigung meiner Rolle in diesem Film», sagt Naomi Watts.
 

Amerikanische Oscaranwärter und Weltpremieren 
Hollywood-Schwergewichte, der meisterwartete Schweizer Film und zwei grosse deutsche Weltpremieren: Elf Titel aus der Sektion Gala Premieren stehen beim diesjährigen ZFF bereits fest, darunter «I Play Rocky», «111 – Echoes from Halifax» und «Josephine» mit Channing Tatum. Die beiden deutschen Produktionen «Alte Liebe» von Andreas Dresen und «Frau Winkler verlässt das Haus» von Doris Dörrie feiern ihre Weltpremiere in Zürich.
 
In der Sektion Gala Premieren präsentiert das ZurichFilmFestival vom 24. September bis 4. Oktober  2026 die meisterwarteten Filme des Jahres. Es sind oft jene Filme, die zu den Award-Favoriten gehören. Im Rampenlicht stehen etablierte Persönlichkeiten aus der Welt des Films, sowohl hinter als auch vor der Kamera. Ob Oscarpreisträger, gefeierte Regietalente oder künstlerische Highlights mit grosser Festivalresonanz: Diese Premieren feiern das Kino.

«Die Sektion Gala Premieren ist dem Autorenkino für ein breites Publikum gewidmet», erklärt Christian Jungen, CEO des ZFF. «Darin präsentieren wir Filme, die später in der Award Season eine wichtige Rolle spielen werden, wie zum Beispiel «I Play Rocky» über die Entstehung des Kultfilms mit Sylvester Stallone, der 1977 den Oscar für den besten Film gewann. Aus Schweizer Sicht gilt es «111 – Echoes from Halifax» hervorzuheben, der ein Grossereignis aus mehreren Perspektiven beleuchtet, das unsere Nation erschütterte: Den Absturz einer Swissair-Maschine bei Halifax. Besonders freut uns, dass mit Andreas Dresen und Doris Dörrie zwei Grössen des deutschen Autorenkinos uns die Weltpremieren ihrer neuen Filme anvertraut haben. Ihre Filme sind nah am Leben und reflektieren mit einem Augenzwinkern den Zustand unserer Gesellschaft».
 

Das vollständige Programm wird am Mittwoch, den 9. September auf der Website veröffentlicht.  Der Ticketverkauf startet am Montag, den 14. September 2026. 
 
 

Filmtipps

 
 
Pressure
Die britisch-französische Filmproduktion des australischen Filmemachers Anthony Maras basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von David Haig, das erstmals 2014 uraufgeführt wurde. 1944: Es ist 72 Stunden vor der geplanten alliierten Invasion in die Normandie, die als D-Day in die Geschichte einging. In der Normandie ist alles vorbereitet, bis auf ein entscheidendes Element: das englische Wetter. Der britische Chefmeteorologe James Stagg (Andrew Scott) steht vor der Aufgabe, die wichtigste Wettervorhersage der Geschichte zu liefern, was ihn in eine angespannte Pattsituation mit der gesamten alliierten Führung bringt. Falsche Bedingungen könnten die grösste Seeinvasion aller Zeiten zum Scheitern bringen, während jede Verzögerung die Gefahr birgt, dass der deutsche Geheimdienst Wind von der Sache bekommt. Nur seinem vertrauten Adjutanten Captain Kay Summersby (Kerry Condon) kann er sich anvertrauen. Die katastrophale Generalprobe für den D-Day verfolgt ihn und so liegt die endgültige Entscheidung beim Oberbefehlshaber der Alliierten, General Dwight D. Eisenhower (Brendan Fraser). Der atmosphärisch dichte Film besticht durch eine atemlose Spannung infolge der Imponderabilien, was die Wettervorhersagen betrifft, die für die Alliierten von unschätzbarem Wert sind, um die Invasion am 6. Juni 1944 nicht scheitern zu lassen.

 
Die Odyssee (Originaltitel The Odyssey)
Der monumentale Action-Fantasy-Film, von Christopher Nolan («Oppenheimer») geschrieben, inszeniert und koproduziert, ist eine Adaption des Homer zugeschriebenen antiken griechischen Epos Odyssee. Matt Damon spielt Odysseus, den griechischen König von Ithaka. Der Film erzählt die Geschichte seiner langen und gefährlichen Heimreise nach dem Trojanischen Krieg, auf der er versucht, wieder zu seiner Frau Penelope (Anne Hathaway) zu finden. Zum Ensemble gehören ausserdem u.a. anderem Tom Holland, Zendaya, Lupita Nyong’o, Robert Pattinson, Charlize Theron und Jon Bernthal. Der Film wurde von Universal Pictures und Nolans Produktionsfirma Syncopy produziert und von Universal Pictures vertrieben. Die Kritiken waren mehrheitlich positiv, die dreistündige Inszenierung auf IMAX- und 70 mm-Format sorgt für ein physisch spürbares Kinoerlebnis. Matt Damon wird für seine Darstellung des gealterten, schuldgeplagten Odysseus gelobt, der weniger als glänzender Held denn als Getriebener agiert. Kontroverse Diskussionen gab es über einzelne Besetzungen und nicht origionalgetreue Kostüme in den Schlachten. Eine Kürzung hätte dem Film gutgetan und eine grössere Intensität verliehen. Zudem ist dieser Odysseus eine sehr amerikanische Version, die kaum etwas mit dem griechischen Odysseus zu tun hat. Zum Ende hin wird es spannend, wenn Odysseus nach seiner langen Reise wieder zuhause auftaucht.

 

Couture

Filmdrama der französischen Regisseurin Alice Winocour, in dem Angelina Jolie eine Filmemacherin spielt, die in die Welt der Haute Couture in Paris eintaucht. Die US-Regisseurin Maxine (Angelina Jolie) dreht während der glamourösen Paris Fashion Week einen Modefilm mit ihrem rebellischen Regieassistenten Anton (Louis Garrel) und erhält plötzlich einen Anruf ihres Arztes mit einer Brustkrebs-Diagnose, was sie aus ihrer täglichen Routine und Bahn wirft, da sie nun die stressigen Dreharbeiten mit den Arztterminen zu vereinbaren hat. Der Film besticht durch seine feinfühlige Inszenierung und beleuchtet auch das Leben einer jungen Schneiderin und Visagistin (Ella Rumpf). Die Regisseurin zeigt in präzisen Nahaufnahmen das zentrale Thema der weiblichen Solidarität in einer oft kühlen Mode-Arena.  Der Film feierte im September 2025 beim Toronto International Film Festival seine Premiere.

 

 

A Sad & Beautiful World (arab. Sterne der Hoffnung und des Schmerzes)
«Eine traurige und schöne Welt» ist ein arabischspraches Drama aus dem Jahr 2025, das von Cyril Aris in seinem ersten Spielfilm-Debüt mitgeschrieben und inszeniert wurde. Der Film spielt in Beirut und folgt den Jugendlieben Nino (Hasan Akil) und Yasmina (Mounia Akl), die sich aus den Augen verloren hatten, und in ihren Zwanzigern vor dem Hintergrund politischer Unruhen und des sozialen Zusammenbruchs im heutigen Libanon wiedervereinigt haben. Nino und Yasmina kommen am selben Tag im selben Krankenhaus in Beirut zur Welt, nur eine Minute trennt sie, während die Stadt unter lautem Beschuss steht. Als Kinder eng verbunden, verlieren sie sich, als Yasminas Familie wegzieht. Zwanzig Jahre später führt sie das Leben in die von Krisen geschüttelte Stadt wieder zusammen. Über drei Jahrzehnte hinweg verfolgt der anrührende Film ihre Beziehung zwischen politischer Unruhe, wirtschaftlichen Brüchen und Krieg. Nino führt sein eigenes Restaurant «Chez Nino» und bewahrt seinen Optimismus, während Yasmina skeptisch auf die Realität blickt und als viel beschäftigtigte Regierungsberaterin lieber mit Nino und ihrer gemeinsamen Tochter nach Dubai auswandern möchte. Zwischen Resilienz, Liebe und Unsicherheit ringen beide um einen gemeinsamen Plan. Der Film feierte Weltpremiere während der 82. Internationalen Filmfestspiele von Venedig 2025, wo er den Publikumspreis erhielt. Er markiert auch die Rückkehr der libanesischen Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin Mounia Akl auf die grosse Leinwand.

 
 
Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war
Zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann präsentiert die deutsche Regisseurin Regina Schilling eine filmische Annäherung an eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen des zwanzigsten Jahrhunderts. Schauspielerin Sandra Hüller versetzt sich in einen Tag im Leben Bachmanns und verleiht mit ihrer Stimme im Off den Texten Bachmanns eine eindringliche Präsenz. Mit improvisierten Szenen, – man hatte extra eine Wohnung in Rom angemietet, um die Geräuschkulisse authentisch zu gestalten -, mit Interviews und Archivperlen zeigt der Dokumentarfilm die zentralen Lebensphasen der Autorin und ihren Weg zwischen literarischem Erfolg, politischen Themen und privaten Erfahrungen. Der Film betrachtet daher auch ihre engen Beziehungen zu Lyriker Paul Celan, zu Komponist Hans Werner Henze, für den sie Libretti schrieb und zu Schriftsteller Max Frisch, mit dem Bachmann fünf Jahre zusammenlebte. Ihre Suche nach ihrer eigenen Sprache, einem eigenen kompromisslosen Schreibstil, wie auch die Spannungen zwischen öffentlicher Anerkennung und innerer Zerrissenheit, zeigt die Regisseurin in einem kunstvollen Geflecht. Manche Zitate, wie von Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki:« Haben Sie schon einmal im Leben von einer bedeutenden Dirigentin gehört? Offenbar gibt es gewisse Berufe, gewisse Formen der Äusserungen, die den Frauen eben schwieriger fallen», offenbaren die seinerzeitigen Abwehrmechanismen.  Ingeborg Bachmann selbst sah sich auch nicht als typische Frau, wenn sie bemerkte: «Ich bin nicht ganz eine Frau, ich bin ein Irrtum». Dies insofern, als alleinlebende und schreibende Frauen als pathologisch angesehen wurden, deren Sehnsucht nicht in erster Linie ein Ehemann und Kinder waren. Sie wurde als erster weiblicher Literaturstar der Nachkriegszeit auf das Cover des «Spiegel» gehievt und war die erste Schriftstellerin, die sich früh den Naziverbrechen und ihren Auswirkungen stellte, die bis heute nachhallen. Auch durch diesen Film mit unterlegten dokumentarischen Einschüben stellt man fest, wie alltagstauglich die Texte der Autorin Ingeborg Bachmann sind und wie sehr sie sich eignen, sie wiederzuentdecken.
 
The Invite
Die US-amerikanische Komödie mit Olivia Wilde, Seth Rogen, Pénelope Cruz und Edward Norton in der Regie von Olivia Wilde, wurde im Januar 2026 am Sundance Festival uraufgeführt. Das Drehbuch schrieben Will McCormack und Rashida Jones. Nach 15 Jahren ist die Ehe von Angela (Olivia Wilde) und Joe (Seth Rogen) etwas eingeschlafen und in Routine erstarrt, während ihre Nachbarn im Stockwerk über ihnen ein scheinbar perfektes Paar zu sein scheinen. Wenn Angela und Joe sie zufällig im Fahrstuhl treffen, wirken die beiden aber eher kühl und distanziert. Kurzerhand lädt Olivia die Nachbarn zum gemeinsamen Abendessen ein, um sich näher kennenzulernen. Als Pina (Penélope Cruz) und Hawk (Edward Norton) vorbeikommen, ist von Zurückhaltung nichts mehr zu spüren. Im Laufe des Abends werden schonungslos gescheiterte Träume und nicht gelebte Sehnsüchte offenbart. Und schon bald machen die Nachbarn Angela und Joe offene Avancen, sie sind anscheinend durchaus offen für mehr als nur traute Zweisamkeit. Die Frage ist, ob sich Angela und Joe darauf einlassen sollen oder ob die ganze Situation aus dem Ruder läuft. Die unterhaltsame Komödie mit spritzigen Dialogen strebt einem unerwarteten Höhepunkt zu, der alle vier vor grundsätzliche Entscheidungen stellt.

 
The Piano Tuner (Tuner)
Spielfilm-Thriller aus dem Jahr 2025 mit Leo Woodall (The White Lotus), Dustin Hoffman und Havana Rose Liu. Regie führte Daniel Roher, der mit Robert Ramsey das Drehbuch schrieb. Niki White (Leo Woodall), ein hochbegabter Musiker, ist gemeinsam mit seinem Mentor Harry Horowitz (Dustin Hoffman) in dessen Geschäft in New York als Klavierstimmer unterwegs, nachdem er nach einem Unfall seine Karriere als Musiker aufgeben musste. Seither läuft er nur mit Kopfhörern umher, um sein sensibles Gehör zu schützen. Das ihn jedoch auch für kriminelle New Yorker Clans interessant macht, als sie zufällig auf ihn aufmerksam werden und beim Klavierstimmen beobachten. Fortan soll Niki sein aussergewöhnliches Gehör für das Knacken von Tresoren und Safes nutzen. Als Geschäftspartner Harry lebensbedrohlich erkrankt und seine Spitalrechnungen nicht mehr bezahlen kann, sieht sich Niki zu den illegalen Aufträgen gezwungen, verliebt sich zwischenzeitlich in die Kompositionsstudentin und Pianistin Ruthie (Havana Rose Liu), mit der er eine Beziehung beginnt. Der Ausstieg aus den Unterwelt-Clans gestaltet sich zwischen packendem Thriller und romantischer Komödie zu einem attraktiven spannenden Mix und einem gelungenen Wiedersehen mit dem 88-jährigen Dustin Hoffman.
 

 
to be continued
 

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