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«ZurichFilmFestival 2025: Colin Farrell erhält Golden Icon Award»

 

Von Dublin nach Hollywood und im Herbst in Zürich: Colin Farrell gehört zu den charismatischsten Charakterdarstellern des internationalen Autorenkinos. Ausserdem sind am ZurichFilmFestival neue Filme mit Dwayne Johnson, Jodie Foster, Matthew McConaughey, Matthias Schweighöfer und Anke Engelke zu sehen.

Colin Farrell kann auf eine beeindruckende Karriere von über zwanzig Jahren in Film und Fernsehen zurückblicken. Als weltweit anerkannter Schauspieler war Farrell zuletzt in der HBO-Serie The Penguin zu sehen, wofür er mit einem Golden Globe Award, einem Screen Actors Guild Award, sowie einem Critics Choice Award ausgezeichnet wurde.
 
Internationale Bekanntheit erlangte er durch Filme wie Miami Vice, Minority Report, In Brügge, The Batman, The Lobster, The Killing of a sacred deer oder The banshees of Inisherin und erwies sich als facettenreicher Darsteller der sowohl den gebrochenen Antihelden als auch den melancholischen Aussenseiter und einen schrulligen Komödiencharakter problemlos auf die Leinwand bringen kann. Für seine Rolle in The banshees of Inisherin erhielt er 2023 einen Golden Globe, eine Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller sowie den Schauspielpreis in Venedig. Er hat mit Regielegenden wie Sofia Coppola, Yorgos Lanthimos, Woody Allen, Terry Gilliam, Steven Spielberg, Oliver Stone, Michael Mann oder Tim Burton zusammengearbeitet.

 
Nachdem am ZurichFilmFestival bereits drei seiner Filme gezeigt wurden, wird Colin Farrell nun als Stargast in der Limmatstadt erwartet. Am Samstag, dem 27. September, wird er seinen neuen Film Ballad of a small player dem Publikum persönlich vorstellen. Im Rahmen einer Galapremiere wird er für seine Rolle in seinem neuen Film sowie für seine Karriere mit dem Golden Icon Award ausgezeichnet. Zudem wird Farrell am Sonntag, dem 28. September an einem ZFF Masters teilnehmen.

 

Die Regie bei Ballad of a small player führt Edward Berger, der 2024 am ZFF mit dem A Tribute to… Award ausgezeichnet wurde. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Lawrence Osborne: Im pulsierenden Neonlicht der Casinos von Macau versucht der britische Glücksspieler «Lord Doyle» (Colin Farrell) seiner Vergangenheit und den sich anhäufenden Schulden zu entkommen. Während die unbeirrbare Steuereintreiberin Cynthia (Tilda Swinton) immer näher rückt, trifft er auf die mysteriöse Dao-Ming, die den Schlüssel zu seiner Rettung in ihren Händen halten könnte. Nach Im Westen nichts Neues und Conclave, ist es der dritte Film Bergers, der am Zurich Film Festival gezeigt wird.
 

Ein unverzichtbarer Beitrag zum Autorenkino
«Colin Farrell gehört zu den temperamentvollsten und charismatischsten Charakterdarstellern des Autorenkinos», erklärt Festival Director Christian Jungen. «Er überzeugt als Bösewicht genauso wie als romantischer Held und auch in komplexen Rollen dazwischen, wie in Edward Bergers unwiderstehlicher Tragikomödie The ballad of a small player, in der Colin uns als filouhafter Spieler in den Bann zieht und mit seiner Figur mitfiebern lässt. Colin Farrell stand schon für viele grosse Filmemacher vor der Kamera, unter der Regie von Edward Berger läuft er jedoch zur Höchstform auf. Er trägt den Film von A bis Z und nimmt uns mit auf eine emotionale Achterbahnfahrt, die uns lachen, weinen und staunen lässt. Für diese herausragende Leistung, die ihm eine Oscarnominierung einbringen könnte, sowie für seinen unverzichtbaren Beitrag zum Autorenkino, zeichnen wir Colin Farrell mit dem Golden Icon Award aus. Dass Colin den Preis in Anwesenheit von Edward Berger, unserem letztjährigen Preisträger, entgegennehmen wird, macht die Freude doppelt so gross. Wir haben in den letzten Jahren mehrere Filme mit Colin Farrell gezeigt und freuen uns nun sehr darauf, ihn zum ersten Mal in Zürich begrüssen zu dürfen».

 

Dakota Johnson eröffnet das 21. Zurich Film Festival und erhält Goldenes Auge

Festivalstart mit einem Weltstar: Die US-amerikanische Schauspielerin und Produzentin Dakota Johnson eröffnet mit ihrem neuen Film Splitsville das 21. Zurich Film Festival. Gemeinsam mit dem Regisseur und Schauspieler Michael Angelo Covino wird sie an der Opening Night am 25. September die Beziehungskomödie vorstellen. Am gleichen Abend wird Johnson für ihre Rolle im Film und ihre herausragende Karriere mit dem Golden Eye Award geehrt. Zudem wird sie im Rahmen einer ZFF Masters Einblicke in ihre Arbeit geben.

 

Dakota Johnson hat sich als eine der vielseitigsten Schauspielerinnen ihrer Generation etabliert. Aus einer Hollywood-Dynastie stammend – Vater Don Johnson, Mutter Melanie Griffith und Enkelin der Schauspielerin Tippi Hedren – erlangte sie 2015 internationale Bekanntheit mit der Rolle der Anastasia Steele in der Blockbuster-Trilogie Fifty Shades of Grey, für die sie den People’s Choice Award erhielt. Seitdem war sie in Werken zu sehen, die von Arthouse-Filmen bis hin zu grossen internationalen Produktionen reichen. Unter der Regie von Luca Guadagnino glänzte sie in A bigger Splash (2015) und Suspiria (2018). Sie spielte an der Seite von Johnny Depp in Black Mass (2015), beeindruckte unter der Regie von Maggie Gyllenhaal in The lost Daughter (2021) und begeisterte das Publikum in Cha Cha Real Smooth(2022), der beim Sundance Film Festival den Publikumspreis gewann. 

In dem neuen Film Splitsville von Michael Angelo Covino spielt Dakota Johnson die Figur Julie. Als ihre Freundin Ashley (Adria Arjona) ihrem Ehemann Carey (Kyle Marvin) mitteilt, dass sie sich scheiden lassen will, sucht er Trost bei Julie und Paul (Michael Angelo Covino). Das Paar verrät ihm das Geheimnis einer glücklichen Ehe: eine offene Beziehung. Doch als Carey und Julie eine Grenze überschreiten, gerät alles völlig ausser Kontrolle. Splitsville ist eine rasante Indie-Komödie voller absurder Wendungen und subtilem Humor, die auf charmante Weise die Tücken der modernen Liebe beleuchtet.

 

Dakota Johnson wird am 25. September während der festlichen Eröffnungsgala persönlich den Golden Eye Award entgegennehmen und den Film gemeinsam mit Regisseur, Schauspieler und Produzent Michael Angelo Covino präsentieren. Zu den Ehrengästen des Abends zählen Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider und die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch. Darüber hinaus wird sie bei einem ZFF Masters Einblicke in ihre Arbeit geben.

 

Von Austin nach Hollywood
Dakota Johnson wurde am 4. Oktober 1989 in Austin, Texas, in eine renommierte Hollywood-Familie geboren: Ihr Vater ist Don Johnson, ihre Mutter Melanie Griffith und ihre Grossmutter die legendäre Tippi Hedren. Ihr Schauspieldebüt gab sie 1999 in Crazy in Alabama unter der Regie von Antonio Banderas, bevor sie ein Jahrzehnt später mit einer Nebenrolle in David Finchers The Social Network (2010) auf die Leinwand zurückkehrte. Es folgten frühe Auftritte in Komödien wie The Five-Year Engagement und 21 Jump Street, bevor sie mit dem weltweiten Phänomen Fifty Shades of Grey ihren internationalen Durchbruch schaffte, der ihr eine BAFTA Rising Star-Nominierung einbrachte und sie als eine der faszinierendsten neuen Stimmen Hollywoods etablierte.

 

In den letzten Jahren hat Johnson ihr kreatives Spektrum sowohl als Schauspielerin als auch als Produzentin erweitert. Zuletzt war sie in Celine Songs romantischer Komödie The Materialists an der Seite von Chris Evans und Pedro Pascal zu sehen und spielte in TeaTime Pictures Splitsville, der bei den Filmfestspielen von Cannes 2025 mit sechsminütigen Standing Ovations gefeiert wurde. Weitere bemerkenswerte Rollen hatte sie in dem Indie-Hit The Peanut Butter Falcon, der zu einem der erfolgreichsten Plattform-Veröffentlichungen in den USA wurde, und in der Netflix-Adaption von Jane Austens Persuasion.
Mit ihrer Produktionsfirma TeaTime Pictures, die sie 2019 mitbegründet hat, hat sie eine Reihe von gefeierten Projekten produziert. Ausserdem wagte sie sich mit dem Video-Clip zu Coldplays Cry Cry Cry und dem Kurzfilm Loser Baby, der auf dem Toronto International Film Festival Premiere feierte, an die Regie.

 

Der brasilianische Schauspieler Wagner Moura wird mit Goldenem Auge geehrt
Das ZFF ehrt den preisgekrönten brasilianischen Schauspieler und Regisseur Wagner Moura mit dem Goldenen Auge für seine Karriere und die bemerkenswerte Leistung in seinem neuen Film The secret agent von Kleber Mendonça Filho. Für diese Rolle wurde Moura bereits in Cannes als bester Schauspieler ausgezeichnet und gilt nun als aussichtsreicher Anwärter auf eine Oscar-Nominierung bei den kommenden Academy Awards. Er reist nach Zürich, um das Goldene Auge entgegenzunehmen und den Film im Rahmen einer Gala Premiere zu präsentieren. Zudem gewährt er in eines ZFF Masters Einblicke in seine Arbeit und seinen kreativen Prozess.
 
Wagner Moura erlangte weltweite Berühmtheit durch seine nuancierte Darstellung des kolumbianischen Drogenbosses Pablo Escobar in der erfolgreichen Netflix-Serie Narcos, für die er eine Nominierung für den Golden Globe erhielt. Er spielte in Behind the sun unter der Regie von Walter Salles sowie in Elite Squad unter der Regie von José Padilha. Darüber hinaus überzeugte er in zahlreichen weiteren Filmen, darunter Elysium von Regisseur Neill Blomkamp, The gray Man von den Regisseuren Anthony und Joe Russo sowie Wasp Network von Olivier Assayas. Zuletzt war er in der Netflix-Biopic Sergio von Regisseur Greg Barker sowie im Spielfilm Civil War von Alex Garland zu sehen und spielt aktuell in der Apple TV+ Produktion Dope Thief. Sein Regiedebüt Marighella, das den Kampf des brasilianischen Politikers und Aktivisten Carlos Marighella nachzeichnet, feierte 2019 auf der Berlinale Premiere.
 

«The secret agent  ist eines der herausragendsten Werke dieses Jahres – ein Film mit besten Oscar-Chancen», erklärt Festival Director Christian Jungen. «Wagner Moura trägt diese Geschichte von der ersten bis zur letzten Minute mit einer elektrisierenden Präsenz, die ihresgleichen sucht. Für seine herausragende Leistung in The secret agent und für eine Karriere, die ihn zu einem der charismatischsten und wandlungsfähigsten Schauspieler Lateinamerikas macht, ehren wir Moura mit dem Goldenen Auge – und schreiben damit Festivalgeschichte: Zum ersten Mal geht diese Auszeichnung an einen Schauspieler aus Südamerika».
 
«Ich fühle mich zutiefst geehrt, den Golden Eye Award entgegenzunehmen», erklärt Moura. «Mein Dank gilt dem Zurich Film Festival für die Anerkennung meiner Arbeit in Kleber Mendonça Filhos wirklich wunderschönem und bedeutendem brasilianischen Film The secret agent. Es ist mir eine grosse Ehre, in die Reihe jener aufgenommen zu werden, die diesen Preis bereits erhalten haben, und ich bin sehr stolz, den Film im September persönlich mit dem Publikum des Zurich Film Festivals zu teilen».
 

Benedict Cumberbatch erhält Goldenes Auge

Das Zurich Film Festival ehrt den renommierten britischen Schauspieler Benedict Cumberbatch mit dem Goldenen Auge für seine vielseitige Karriere und seine beeindruckende Rolle im Drama «The Thing with Feathers», das er mit seiner Firma SunnyMarch und in Zusammenarbeit mit Lobo Films produziert hat. Cumberbatch wird den Preis am 29. September entgegennehmen. Im Anschluss gibt er im Rahmen eines ZFF Masters Einblicke in seine Karriere.

 

Charisma, Intelligenz und eine unverkennbare Stimme zeichnen ihn aus: Vielen ist Benedict Cumberbatch vor allem als Sherlock bekannt. Cumberbatch hat mit einigen der bedeutendsten Regisseurinnen und Regisseuren unserer Zeit zusammengearbeitet, darunter Jane Campion, Joe Wright, Steve McQueen sowie Wes Anderson, und unterschiedlichsten Figuren Leben eingehaucht. So überzeugte er als britischer Aristokrat in «Atonement», als visionärer Erfinder in «The current war», als zerrissener Rancher in «The Power of the Dog» oder als ambivalenter Plantagenbesitzer in «12 Years a Slave». Auch seine markante Stimme prägt sein Werk: Als Drache Smaug in der «Hobbit-Trilogie von Peter Jackson schuf er eine unvergessliche Figur, die bis heute Kultstatus hat. Gleichzeitig prägte er als «Doctor Strange» im Marvel-Universum und in den Avengers-Filmen «Avengers:Infinity War» und «Avenger: Endgame» das Blockbuster-Kino der Gegenwart. In der schwarzen Komödie «The Roses» wird er demnächst gemeinsam mit Olivia Colman in der Hauptrolle zu sehen sein.
In seinem neuen Film «The Thing with Feathers», inszeniert von Dylan Southern, übernimmt Cumberbatch nicht nur die Hauptrolle, sondern ist mit seiner Produktionsfirma SunnyMarch gemeinsam mit Lobo Films auch als Produzent beteiligt. Darin spielt er einen Vater von zwei Söhnen, der nach dem Tod seiner Frau damit kämpft, im Leben wieder zurechtzukommen.
«Benedict Cumberbatch ist einer der vielseitigsten Charakterdarsteller seiner Generation. Er kommt vom Theater, beherrscht sein Handwerk in jeder Rolle und verleiht seinen Figuren emotionale Tiefe – egal ob als Alan Turing in «The Imitation Game» oder als Superheld «Doctor Strange»im Marvel-Universum. Wir haben in den letzten Jahren viele seiner Filme am ZFF gezeigt und freuen uns sehr, ihn nun erstmals persönlich in Zürich begrüssen zu dürfen – sowohl als Schauspieler als auch als Produzent von «The Thing with Feathers», erklärt Christian Jungen, Festival Director des Zurich Film Festival.
Auch Benedict Cumberbatch freut sich auf seinen Besuch in Zürich: «Ich fühle mich sehr geehrt, zum Zurich Film Festival eingeladen worden zu sein, um den Golden Eye Award entgegenzunehmen. Das Festival spielt eine bedeutende Rolle dabei, Filmschaffende auf der ganzen Welt sichtbar zu machen, zu fördern und zu unterstützen. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf inspirierenden neuen Talenten und Stimmen – etwas, das mir persönlich sehr am Herzen liegt. Ich freue mich sehr, diese besondere Auszeichnung entgegenzunehmen.»

 

Gala Premieren
Vom 25. September bis zum 5. Oktober 2025 präsentiert das 21. ZurichFilmFestival in der Kategorie «Gala Premieren» spektakuläre Werke des Autorenkinos mit grossem Publikums-Appeal.

«In der Sektion Gala Premieren zeigt das ZFF immer auch Filme, die später Oscar-Nominierungen erhalten werden», erklärt Festival Director Christian Jungen. «Viele Filme zeichnen sich dieses Jahr durch Hauptdarstellerinnen und Hauptdarsteller aus, die Neuland betreten: Dwayne Johnson zeigt sich im Sportsdrama The smashing machine in der Rolle eines Wrestlers als filigraner Charakterdarsteller, Jodie Foster wiederum spielt im hinreissenden Beziehungsdrama Vie privée von Rebecca Zlotowski zum ersten Mal seit über 20 Jahren wieder in einem französischen Autorenfilm und spricht selber Französisch. In Nia DaCostas Hedda entfacht Tessa Thompson als Hedda Gabler ein wahres Leinwandfeuerwerk – eine brillante, ungezähmte Naturgewalt, deren unerschütterliche Unabhängigkeit mit den einengenden Zwängen ihrer Epoche kollidiert. Matthias Schweighöfer brilliert in Das Leben der Wünsche in der Rolle eines Mannes im mittleren Alter und vermag dabei das Innenleben seines Protagonisten nach aussen zu kehren wie noch nie zuvor in seiner Karriere. Wir sind besonders stolz, dass wir mit Das Leben der Wünsche, Dann passiert das Leben und Momo gleich drei deutsche Prestigeproduktionen als Weltpremieren zeigen dürfen».
 

Weltstars und Gewinner aus der Schweiz

Das 21. Zurich Film Festival (ZFF) zog insgesamt 135’000 Besucherinnen und Besucher an, gezeigt wurden 115 Filme, davon 40 als Welt- oder Europapremieren. Stars wie Dakota Johnson, Benedict Cumberbatch, Russell Crowe, Colin Farrell und Amanda Seyfried präsentierten ihre neuen Filme. Der Schweizer Moris Freiburghaus gewann mit «I love you, I leave you» das Goldene Auge des Dokumentarfilm-Wettbewerbs sowie den Publikumspreis.

 

Die 21. Ausgabe des ZFF bewegte Zürich, ob auf dem Sechseläutenplatz, im Kongresshaus, in der Tonhalle, bei Partner-Hotels oder in den zahlreichen Kinos: Das Festival begeisterte das breite Publikum und erreichte 135’000 Besucherinnen und Besucher (davon 34’000 im Rahmenprogramm).

 

Hollywood an der Limmat
In diesem Jahr glänzte das ZFF mit grossen Persönlichkeiten der Filmwelt: Dakota Johnson, Alexander Skarsgård, Anthony Mackie, Benedict Cumberbatch, Claire Foy, Russell Crowe, Colin Farrell, Wagner Moura, Noah Baumbach, Amanda Seyfried, Matthias Schweighöfer, James McAvoy, Anke Engelke, Dylan O’Brien, Marco Odermatt, Hildur Guðnadóttir, Christian Petzold, Ella Rumpf, Vincent Macaigne sowie Edward Berger.

 

«Während elf Tagen schwelgte Zürich im Filmfieber, die Säle waren voll und viele Weltstars stellten ihre neuen Werke dem Publikum persönlich vor und fühlten sich bei uns sehr wohl», erklärt Festival Director Christian Jungen. «Wir sind sehr zufrieden mit dieser Ausgabe, die eine so hohe internationale Ausstrahlung hatte wie noch keine andere zuvor. Am ZFF kann man neue Talente in den Wettbewerben entdecken und in der Sektion Gala Premieren im Herbst schon jene Filme und Stars sehen, die später Oscars gewinnen. Diese Mischung ist bei Publikum, Partnern und Presse sehr beliebt.»

 

ZFF-Wettbewerb

An der Award Night im Opernhaus Zürich wurde in diesem Jahr erstmals neben der Preisvergabe auch ein Film gezeigt. Stargast des Closing Films war James McAvoy, der sein Regiedebut «California Schemin’» dem Zürcher Publikum präsentierte. Die folgenden ZFF-Hauptpreise wurden vergeben:
• Bester Spielfilm: «Father» von Tereza Nvotová
• Bester Dokumentarfilm: «I love you, I leave you» von Moris Freiburghaus
Der Schweizer Regisseur Moris Freiburghaus gewann mit «I love you, I leave you» gleich zwei Preise, darunter als erster Schweizer das Goldene Auge im Dokumentarfilm-Wettbewerb.
Neben dem Hauptpreis erhielt der Film auch eine besondere Erwähnung der ZFF Critics’ Jury sowie den Publikumspreis. Damit zählt «I love you, I leave you»zu den grossen Gewinnern des diesjährigen Zurich Film Festival.
Die 22. Ausgabe des ZurichFilmFestival findet vom 24. September – 4. Oktober 2026 statt.

5. Oktober 2025.

 

 

 

Filmtipps

 
Hallo Betty
Die Geschichte des Schweizer Spielfilms «Hallo Betty» (Regie Pierre Monnard) spielt 1956, als die Werbetexterin Emmy Creola (Sarah Spale) die Produkte einer Speiseölfirma vermarkten soll. Sie kommt auf die Idee einer Kunstfigur, die sie Betty Bossi nennt und die als patente Köchin Kochrezepte plus eigenem Magazin anbietet, die schon bald eine Menge Fanpost erhält. Dabei hat sie zunächst gegen den Widerstand des Agenturchefs (Ueli Jäggi) zu kämpfen. Dass sie unverhofft ins Rampenlicht gerät, ist nicht nur für ihren Mann Ernst Creola (Martin Vischer) unvorhergesehen. Eine Ehekrise ist vorprogrammiert, der Ehemann zieht vorübergehend aus, je bekannter seine Frau wird. Die wahre Geschichte der Emmi Creola-Maag (Esther Gemsch, alt) wird detailgetreu mit den Attributen der 50er Jahre nacherzählt, die in Zeiten von KI in ferner Vergangenheit zu liegen scheint, obwohl auch heute noch Frauen um Lohngleichstellung kämpfen. Das Feelgood-Movie erinnert mit Rückblenden an die Stellung der Frau. Das Betty Bossi-Kochbuch «Erfolgsrezepte» (gelingsicher seit 1956) ist ein Evergreen und wird ebenso wie ihre Produkte bis heute geschätzt.

 

Amrum
Der bildstarke Coming-of-Age-Film des deutsch-türkischen Regisseurs Fatih Akin basiert auf Kindheitserinnerungen von Hark Bohm.  Der Film spielt im Frühjahr 1945 in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs in einem kleinen Dorf auf der norddeutschen Insel Amrum. Der 12-jährige Nanning Bohm (Jasper Billerbeck), der mit seiner Mutter, Tante und zwei kleineren Geschwistern aus dem zerbombten Hamburg auf die Insel fliehen musste, geht auf Robbenjagd, fischt nachts und arbeitet auf dem Feld, um seiner hochschwangeren Mutter (Laura Tonke) zu helfen, die Familie zu ernähren. Sie ist eine glühende Nationalsozialistin, sein Vater war ein hohes Tier und in Kriegsgefangenschaft; sie sind auf Amrum auf sich allein gestellt. Nach Kriegsende muss sich Nanning neuen Herausforderungen stellen und seinen eigenen Weg finden. Die Mutter ist seit der Geburt des vierten Kindes und dem Tod Adolf Hitlers in eine Depression gefallen. Sie isst nichts mehr und Nanning versucht ihr den Wunsch nach Weissbrot mit Butter und Honig zu erfüllen, keine leichte Aufgabe, denn auf der Insel mangelt es wegen des Krieges an allem. Er lernt hierbei die Bewohner der Insel wie den Fischer Sam Gangsters (Detlev Buck) näher kennen und das Friesisch, das die Menschen hier sprechen. Mit der Aussage im Film „du bist nicht schuld, aber du hast dennoch damit zu tun“, wird betont, dass er keine persönliche Schuld an der nationalsozialistischen Vergangenheit seiner Eltern trägt, sich aber deren Erbe und den damit verbundenen Fragen nicht entziehen kann. Der Film mit Laura Tonke, Diane Kruger, Matthias Schweighöfer, Detlev Buck, Jasper Billerbeck und Kian Köppke feierte im Mai 2025 bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes seine Premiere.

 

Miroirs No. 3
Der Titel des Films des deutschen Regisseurs Christian Petzold bezieht sich auf ein Klavierstück Maurice Ravels. Die ambitionierte Pianistin Laura (Paula Beer) studiert an der Universität der Künste in Berlin. Auf einem Wochenendausflug mit ihrem Lebensgefährten in die Uckermark verliert er die Kontrolle über das Cabriolet. Während Laura unverletzt schockiert überlebt, kommt ihr Freund ums Leben. Betty (Barbara Auer), die den Unfall beobachtet hat, nimmt Laura in ihrem Haus am Rande eines Weilers bei sich auf. Laura beginnt im Haushalt mitzuhelfen und bietet an zu kochen. Daraufhin lädt Betty ihren Mann Richard (Matthias Brandt) und ihren Sohn Max (Enno Trebs) zum Abendessen ein, die eigentlich nur widerwillig erscheinen, bis Laura überraschend das Essen serviert. Richard und Max betreiben in der Nähe eine Autowerkstatt und reparieren nach der Ankunft von Laura im Haus einen Wasserhahn, die Spülmaschine und die Fahrräder. Für das verstimmte Klavier kommt ein Klavierstimmer, damit Laura üben kann, nachdem sie längere Zeit nicht gespielt hat. Als Laura jedoch erfährt, dass die Familie in ihr die verstorbene Tochter und Schwester gesehen hat, lässt sie sich von ihrem Vater abholen. Nach einiger Zeit recherchiert Betty, dass Laura ein öffentliches Vorspiel an der Universität der Künste haben wird und fährt mit der Familie dahin. Laura erkennt sie im Publikum und spielt ihr Stück wie geübt. Zurück daheim sitzt die Familie von Betty entspannt auf der Veranda beisammen. Miroirs No. 3 bildet eine Trilogie mit Petzolds vorherigen Filmen Undine und Roter Himmel. Nachdem diese den Elementen Wasser und Feuer gewidmet waren, geht es hier um das Element Luft.

 

In die Sonne schauen
Der Generationenfilm von Mascha Schilinski erhielt in Cannes den Prix du Jury. Mit ihrem zweiten Langfilm begeisterte die 41-jährige Berlinerin die internationale Presse. In poetischen Bildern verwebt sie die Geschichte von vier Mädchen, die zu unterschiedlichen Zeiten und Epochen auf einem abgelegenen Gutshof in einem kleinen Ort in der Altmark in Norddeutschland lebten: Alma (Hanna Heckt) im Kaiserreich, Erika (Lea Drinda) in den 1940er-Jahren, Angelika (Lena Urzendowsky) in der DDR in den 1980er-Jahren und Nelly (Zoë Baier) in der Gegenwart. Jede von ihnen verbringt ihre Kindheit oder Jugend auf diesem Ort und während sie durch ihre eigene Zeit gehen, offenbaren sich ihnen Spuren aus der Vergangenheit. Verborgene Ängste, verdrängte Traumata und lange gehütete Geheimnisse treten zu Tage. Alma erfährt, dass sie nach ihrer verstorbenen Schwester benannt wurde und fürchtet, ihr Schicksal zu teilen. Erika gerät in den Bann ihres schwer verletzten Onkels und verliert sich in gefährlichen Fantasien. Angelika schwankt zwischen Lebenslust und Todessehnsucht, während sie in einem zerrissenen Familiensystem gefangen ist. Nelly wächst in scheinbarer Sicherheit auf, doch dunkle Träume und unbewusste Erinnerungen an vergangene Ereignisse verfolgen sie. Schwerelos bewegt sich Schilinski durch Raum und Zeit und schafft eine intensive Spannung, die zweieinhalb Stunden anhält. Schilinski entdeckte zufällig den seit 30 Jahren leer stehenden Vierseitenhof, es gab eine Fotografie von 1925 von drei Frauen, die hier lebten, die die Regisseurin zu ihrem Film inspirierten, wer diese Frauen waren und was sie erlebt hatten und die Frage, was durch die Zeiten hindurch in uns weiterlebt und welche Körpererinnerungen sich über Generationen eingebrannt haben.

 

Stiller
Der millionenfach verkaufte und in 34 Sprachen übersetzte Jahrhundertroman «Stiller» von Max Frisch kommt 70 Jahre nach seinem Erscheinen erstmals auf die grosse Leinwand. Der Amerikaner James White (Albrecht Schuch) gerät in der Schweiz in eine unerwartete Situation, als er fälschlicherweise für den verschwundenen Bildhauer Anatol Stiller (Sven Schelker) gehalten und verhaftet wird. Dem Verschollenen, mit dem man ihn verwechselt, wird vorgeworfen, in die «Affäre Smyrnov» verwickelt gewesen zu sein. Der Staatsanwalt (Max Simonischek), Whites Pflichtverteidiger  (Stefan Kurt) und sogar Stillers Frau Julika (Paula Beer), die extra aus Paris angereist ist, zweifeln an seiner Identität. Ist White in Wirklichkeit der verschwundene Anatol Stiller? Die filmische Adaption ist eine vielschichtige Auseinandersetzung und Entdeckungsreise in die Tiefe der menschlichen Identität. Regisseur Stefan Haupt («Zwingli», «Der Kreis») verleiht dem Literaturklassiker einen neuen Anstrich und bleibt dabei den universellen Themen des berühmten Schweizer Schriftstellers, wie der Identitätsfindung und vorgefertigten Rollenbildern, treu. Das neue Werk der renommierten Platzspitzbaby-Produzenten C-Films glänzt mit einem hochkarätigen Cast: Neben Albrecht Schuch («Im Westen nichts Neues») und Paula Beer («Stella. Ein Leben») steht ein erstklassiges Schweizer Schauspielensemble vor der Kamera, darunter Max Simonischek («Die Nachbarn von oben»), Marie Leuenberger («Die göttliche Ordnung»), Stefan Kurt («Der Verdingbub») und Sven Schelker («Bruno Manser-Die Stimme des Regenwaldes»). Siehe auch Rubrik Literatur: «Max Frisch. Biographie einer Instanz». (Ab 16.10.).

 

Wenn der Herbst naht (Quand vient l’automne)
Tragikomödie von Regisseur François Ozon, der gemeinsam mit Philippe Piazzo auch das Drehbuch schrieb. Michelle Giraud (Hélène Vincent) geniesst ihren Lebensabend in einem malerischen Dorf im Burgund, streift mit ihrer langjährigen Freundin Marie-Claude Perrin (Josiane Balasko) auf Pilzsuche durch den Wald und fährt sie zum Gefängnis, wo deren Sohn Vincent (Pierre Lottin) einsitzt. Mit ihrer eigenen Tochter, Valérie (Ludivine Sagnier) hat sie ein angespanntes Verhältnis, dafür liebt sie ihren Enkel Lucas (Garlan Erlos) umso mehr. Als der Kleine bei ihr die Schulferien verbringen soll, kommt es zum Eklat. Valérie erleidet nach dem Essen eine Pilzvergiftung, sie beschuldigt Michelle, sie habe versucht sie umzubringen. Valérie erholt sich zwar rasch, aber Michelle darf ihren Enkel nicht mehr sehen. Nachdem Vincent aus dem Gefängnis entlassen wird, lässt ihn Michelle für sich als Gärtner arbeiten. Die Freundinnen waren beide früher Sexarbeiterinnen. Während Vincent ihnen gegenüber eine Art Beschützerinstinkt entwickelt hat, konnte Valérie die zwielichtige Vergangenheit ihrer Mutter nie akzeptieren und entwickelte Scham und Abscheu ihr gegenüber. War es ein Unfall, als Michelle nach einem Balkonsturz stirbt, in den Vincent involviert ist?

 

Sirāt
Roadmovie-Drama in Marokko in der Regie des französischen Regisseurs und Schauspielers Óliver Laxe. Luis (Sergi López) besucht einen Rave in Marokko, um dort seine spurlos verschwundene Tochter Mar zu suchen. Sein zwölfjähriger Sohn Esteban (Bruno Núñez) begleitet ihn. Auf dem Rave will niemand Mar gekannt oder gesehen haben. Als das marokkanische Militär die Veranstaltung auflöst, sollen alle Ausländer abgeschoben werden. Luis und Esteban schließen sich einer kleinen Gruppe von Ravern an und fliehen. Mit zwei Lkw und Luis’ Van durchquert die Gruppe das Atlasgebirge. Ziel ist ein weiterer illegaler Rave an der Südgrenze Marokkos. Luis und Esteban hoffen, dort auf die verschollene Mar zu treffen. Im Verlauf der Reise kommt Esteban ums Leben, er sitzt mit Hund Pippa im Van und löst beim Spielen versehentlich die Handbremse, woraufhin der Wagen einen Abhang hinunterstürzt. Auf dem Weg nach Mauretanien macht die Gruppe in einer Wüstengegend Station. Um die Trauer über Estebans Tod zu lindern, nehmen sie Drogen und tanzen zu lauter Musik. Als Jade (Jade Oukid) durch eine Explosion getötet wird, wird den anderen klar, dass sie sich in einem Minenfeld befinden. Sie versuchen zu entkommen, Bigui (Richard Ballamy) und Tonin (Tonin Janvier) werden jedoch ebenfalls Opfer der Minen und auch die Fahrzeuge gehen durch Explosionen verloren. Schliesslich gelingt es Luis, Stef (Stefania Gadda) und Josh (Joshua L. Henderson), zu Fuss zu entkommen. Am Ende des Films reisen die drei auf einem mit nordafrikanischen Flüchtlingen überladenen Güterzug durch die Wüste. In der letzten Szene verlieren sich die Gleise des Zugs im Sand. Der Film besticht durch Authentizität, insbesondere auch aufgrund der Raver-Laiendarsteller, die in Cannes im Mai 2025 erstmals auf der Bühne standen und mit dem Preis der Jury ausgezeichnet wurden.

 

22 Bahnen
«22 Bahnen» wurde mit der Zürcher Schauspielerin Luna Wedler verfilmt. In der Verfilmung des Bestsellers, dem Sensationserfolg von Caroline Wahl, verkörpert Luna Wedler Tina, die sich um ihre kleine Schwester Ida (Zoë Baier) und ihre alkoholkranke Mutter (Laura Tonke) kümmert und zerrissen wird von ihrem Verantwortungsgefühl und dem Versuch, ihrem engen Kleinstadtleben zu entkommen. Der Vater hat sich schon längst verabschiedet. Um ihre Familie über Wasser zu halten, arbeitet Tilda an einer Supermarktkasse, nebenher studiert sie hochbegabt Mathematik. Ihre einzige Auszeit sind die Besuche im örtlichen Freibad,  wo sie jeweils ihre 22 Bahnen schwimmt. Als Viktor (Jannis Niewöhner) in ihr Leben tritt und ihr zudem von ihrem Professor eine Promotionsstelle in Berlin angeboten wird, muss sie Entscheidungen treffen. Aber da ist noch die kleine Schwester, die sie nicht allein und im Stich lassen will. Entstanden ist der Roman in Zürich im Herbst und Winter 2022; Caroline Wahl war aus Deutschland zugezogen, um als Verlagsassistentin bei Diogenes zu arbeiten, aber weder mit der Stelle noch mit Zürich konnte sie sich anfreunden. Im April 2023 erschien «22 Bahnen» beim Dumont-Verlag; Ende 2024 wurde bekannt, dass das Buch verfilmt wird. Die Filmrechte gingen an BerghausWöbke, eine Münchener Produktionsfirma. Ihre Zürcher Zeit hat Caroline Wahl inzwischen in einem dritten Buch verarbeitet, das gerade erschienen ist: «Die Assistentin», Rowohlt-Verlag, 2025

 
Ich will alles. Hildegard Knef.
Bewegendes Biopic. Hildegard Knef, geboren 1925 in Ulm, wuchs in Berlin auf und war eine der bekanntesten deutschen Leinwandstars der Nachkriegszeit («Die Mörder sind unter uns», 1946), Autorin («Der geschenkte Gaul», eine Autobiografie) sowie gefeierte Chansonsängerin («Für mich soll’s rote Rosen regnen»; Bundeskanzlerin Angela Merkel wählte das Lied an ihrer Verabschiedung durch die Bundeswehr 2021). Die Dokumentation der Schweizer Regisseurin Luzia Schmid zeigt in Originalaufnahmen und Interviews das bewegte, internationale Leben des Stars hinter der Kulisse als öffentliche Person. Von 1948 bis 1968 wurde sie in den USA Hildegard Neff genannt, ab 1950 war sie US-amerikanische Staatsbürgerin, erst 2001 erhielt sie die deutsche Staatsbürgerschaft zurück. Knef war dreimal verheiratet, von 1947 bis 1952 mit Kurt Hirsch, von 1962 bis 1976 mit dem britischen Schauspieler David Cameron, der Vater ihrer Tochter Christina Antonia, die im Dokfilm in einem Interview Auskunft über ihre berühmte Mutter gibt. Von 1977 bis zu ihrem Tod im Jahr 2002 war sie mit Paul von Schell verheiratet. Mit ihren Chansons prägte Hildegard Knef unvergessen die 60er- und 70er Jahre als Vorreiterin der feministischen Bewegung. Sehenswert!

 

to be continued

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