FRONTPAGE

«On The Road» – Verlosung Movie und Buch

Von Ingrid Isermann

Nach Jack Kerouac’s Generationen-Kultbuch:
Kurz nach dem Tod seines Vaters 1947 lernt der junge angehende Schriftsteller Sal (Sam Ridley) in New York den charismatischen lebenshungrigen Dean (Garrett Hudlund) kennen. Dieser reisst Sal aus seiner Lethargie und nimmt ihn mit auf einen Trip Richtung Westen – in ein entfesseltes, energiegeladenes, turbulentes Leben. Stets die nächste Etappe ihrer Reise vor Augen, berauschen sie sich an der unendlichen Weite der Landschaft, an Sex, Drugs & Jazz.

 

Basierend auf dem gleichnamigen Kultroman von Jack Kerouac, der zum Manifest einer ganzen Generation wurde und seine Ausstrahlung bis heute nicht verloren hat, erzählt der atmosphärisch gelungene Film die Freundschaft zweier junger Männer, die sich zu Fuss und im Auto während vier Jahren quer durch die USA und Mexico  gemeinsam auf eine abenteuerliche Reise begeben.

 

Regisseur Walter Salles («The Motorcycle Diaries») inszenierte ein brillantes, atemloses Road-Movie der Beatnik-Generation über die Suche nach Glück, nach Freiheit, nach der grossen Liebe und dem ultimativen Rausch des Lebens. Das macht den Inhalt und die Aussage des Films auch heute aktuell. Neue Freunde und alte Bekannte kreuzen ihre Wege, darunter Deans grosse Liebe Marylou (Kristen Stewart) und Camille (Kirsten Dunst). Charakterdarsteller Viggo Mortensen brilliert als dubioser Hippie-Guru, dem Drogenpapst William S. Burroughs nachempfunden. Newcomer Tom Sturridge tritt als Schöngeist auf, der an Beat-Poet Allen Ginsberg erinnert. Die starken Frauen an ihrer Seite sind Kristen Stewart, Kirsten Dunst und Oscar-Kandidatin Amy Adams, wie auch Elisabeth Moss, bekannt aus der Serie «Mad Men».

Das atemberaubende  Road-Movie fasziniert mit grandiosen Landschaftsaufnahmen durch Kalifornien, Denver und New York City, unterlegt von einem jazzig-coolen Soundtrack.

Die Atmosphäre aus den vierziger Jahren, dem Amerika der Aufbruchstimmung, ist lebensecht nachempfunden, betörend schön fotografiert, fiebrig und phasenweise wild erotisch. Nach dem Kultbuch nun der Kultfilm, ab 1. November im Verleih der Filmcoopi Zürich im Kino.

Drehbuch Jose Rivera, nach dem Roman von Jack Kerouac.
Frankreich, Brasilien 2012.

 

Verlosung Bücher und Filmtickets

Literatur & Kunst verlost:
5 Bücher «On The Road» zum gleichnamigen

Film. 245 Seiten, mit div. Fotos und Texten, Hintergrundgeschichten, Grossformat.

5×2 Kinotickets für «On The Road», Kinostart 1. November 2012.

Bis zum 25. Oktober können Sie unter info@literaturundkunst.net
mitmachen! Viel Glück!

 

 

Unterwegs (Originaltitel On The Road).

Der Roman von Jack Kerouac (1922 in Lowell/Massachusetts bis 1969 Florida) wurde  1957 veröffentlicht und gilt als Manifest und als einer der wichtigsten Texte der Beat-Generation. Nachdem er kurze Zeit die Columbia University besucht hatte, diente er während des Zweiten Weltkriegs in der Handelsmarine. Später trampte Kerouac jahrelang als Gelegenheitsarbeiter kreuz und quer durch die USA und Mexiko. Er gilt neben William S. Bourroughs und Allen Ginsberg als der führende Autor der Beat Generation.  “Die einzigen Menschen, die mich interessieren, sind die Verrückten, die verrückt leben, verrückt reden und alles auf einmal wollen, die nie gähnen oder Phrasen dreschen, sondern wie römische Lichter die ganze Nacht lang brennen, brennen”.

On the Road.

Rowohlt Taschenbuch Verlag 2012, Reinbek bei Hamburg.

Die Urfassung.

CHF 15.90.

ISBN978-3-499-25383-6.


«Auf dem Weg nach Damaskus» von Rudolph Jula

Als sich Rudolph Jula, Schriftsteller und Filmemacher, entschloss nach Damaskus zu reisen, zogen die Gewitterwolken am Himmel schon über dem Nahen Osten auf. Inzwischen ist der Bürgerkrieg in Syrien ausgebrochen. Über Ankara, mit dem Bus über Stock und Stein, fuhr Jula durch die Türkei und die anatolische Hochebene über die Grenze. Früher führte eine Bahnlinie von Konstantinopel bis nach Damaskus, quer durchs osmanische Reich. Eine emphatische Reisereportage über den Arabischen Frühling und ein wichtiges Dokument zur Befindlichkeit der Menschen verschiedener Mentalitäten, ihrer Hintergründe und ihrem Kampf für ein Leben in Meinungsfreiheit. Wobei der Westen nicht immer eine gute Figur macht.

 

Auszüge aus den Reiseerzählungen aus dem Nahen und Mittleren Osten

Am Schreibtisch, Juli 2011

Als ich letzten Herbst in einem drittklassigen Hotelzimmer in Kairo aufgewacht bin, den rostigen Rolladen hochgezogen und auf einen grossen lauten Platz hinuntergeschaut habe, hätte ich mir nicht vorstellen können, dass dort unten in wenigen Monaten Touristengruppen herumstehen, denen ein Reiseführer das Wort Revolution erklärt. Hätte mich damals jemand gefragt, was ein Tahrir-Aktivist ist, hätte ich vermutet, das sei jemand, dem es gelungen ist, die Strasse, die um den Platz herumführt, lebend zu überqueren.
Niemand hat etwas geahnt, weder Politiker noch Geheimdienste und wahrscheinlich nicht einmal die Bevölkerung selbst. Das ist das Merkmal der Revolution, sie ist wie Naturgewalten, deren Ausbruch niemand vorhersagen und lenken kann, nicht einmal jene, die am nächsten Tag teilnehmen werden.

Die Erzählungen sind Momentaufnahmen. Sieben entstanden, bevor der Umbruch begann, die letzte während der Fernseher lief und ich schon beobachten konnte, wie alles Vergangenheit wurde, was ich gerade noch als Gegenwart beschrieb. Sie haben über Nacht ein neues Umfeld bekommen, sind nun von Aufständischen, Panzern und Bombenkratern umringt, den Zeichen einer neuen Epoche.

Berlin, Mitte, August 2006
«Slow Travelling»

Abendwind weht über der Hauptstadt. Die Gäste stehen dicht gedrängt auf der Dachterrasse, Partyunterhaltung. „Und wie kommst Du nach Amerika?“
Immer dieselbe Frage, wenn ich jemandem erzähle, dass ich nicht fliege. Immer Amerika.
„Wer will schon nach Amerika?“, antworte ich.
Die Frau, mit der ich mich unterhalte, ist Galeristin und fliegt regelmässig nach New York. Alle hier haben etwas mit Kunst oder Werbung oder Film zu tun, und alle haben ein Projekt. Ich warte nur auf den Waffenstillstand.
„Wohin willst du denn?“, fragt sie und greift nach einem Partyhäppchen.
„Nach Damaskus.“
Sie wollte eben in die Olive beissen, zögert und schaut mich verwundert an.
„Was willst du denn da?“
„Das Wort klingt so schön.“
Ich merke, dass sie jetzt aufhört, mich ernst zu nehmen.
„Und wie kommst du dahin, wenn du nicht fliegst?“
„Schiff, Zug, Bus, Taxi, irgendjemand fährt immer“.
„Das dauert ja eeewig“, sagt sie mit einem qualvoll gedehnten Vokal.
„Stimmt“, antworte ich und denke heimlich: „Das ist ja das Schönste daran“.

 

Tu es nicht!
Jetzt reicht’s, bald Mitte August. Ich wollte eigentlich letzten Monat fahren, aber dann kam dieser Krieg dazwischen, Israel gegen Libanon, der Süden von Beirut liegt in Schutt und Asche, Damaskus ist weniger als hundert Kilometer Luftlinie entfernt. Auch auf der anderen Seite von Syrien, im Irak, ist Krieg. Alle haben mich gewarnt, nach Syrien zu fahren. Es brauche nur einen Funken, der überspringt. „Ich sag dir das jetzt als Freund“, sagt einer meiner besten Freunde am Telefon, während ich packe, „Tu es nicht!“. Seine Stimme klingt besorgt, wie die von Eltern, die ihr Kind von einem grossen Fehler abhalten wollen. In allen Warnungen lag ein Unterton. Ein leises Echo, ein Hauch von Angst. Islamismus, Terror. Hizbollah. Achse des Bösen, Schurkenstaat.
Vielleicht bin ich naiv? Wobei ja keiner meiner Freunde jemals in Syrien war und die meisten nicht einmal wissen, wo es genau lag. Ausserdem, ein Land, das von Amerika gehasst wird, muss auch Vorzüge haben, denke ich und hebe das Gepäck. Noch etwas zu schwer, noch mal sortieren.

Die osmanische Linie
Ich fahre von der Vergangenheit Europas in die der Türkei zurück, die eigentlich auch irgendwie europäisch ist.
Anatolien versinkt in der Dämmerung. Der Schlafwagen ist leer. Ich stehe im Flur und schaue zum Fenster hinaus und fühle mich plötzlich etwas allein. Wie alle Menschen, die sich alleine fühlen, greife ich instinktiv zum Mobiltelefon. Vielleicht denkt ja jemand an mich. Tatsächlich, ein paar Nachrichten: „Haben sie dich erschossen an der Grenze?“, ist die erste. Sehr witzig. Plötzlich sehe ich noch jemanden am Fenster stehen. Auch er schaut in die Landschaft, in der es nichts zu sehen gibt, schon gar nicht jetzt bei Nacht. Das muss ein Fremder sein, wie ich.
(…)

Türkische Grenze. Passkontrolle. Warten. Der Zug rollt ein paar hundert Meter weiter. Syrische Fahne. Halten. Passkontrolle. Warten. Dann fährt der Zug weiter, unendlich langsam, dreissig Stundenkilometer lautet die Schätzung des Ingenieurs. Eine gewisse Anspannung ist zu spüren, alle stehen im Flur und schauen erwartungsvoll aus dem Fenster. Hügel, mit weissen Steinen übersät. Sommermilde Luft strömt herein. Der syrische Schaffner steht neben mir. „Perfume!“, ruft er, fächert sich mit beiden Händen die Luft zu und atmet tief ein. „Syria!“. Er strahlt vor Glück, als hätte er sein Land seit Jahren nicht mehr gesehen. Der Zug rollt über eine Brücke und unvermittelt öffnet sich der Blick in eine weite, sanft gewellte Landschaft, rote Erde, schimmernde Olivenhaine bis zum Horizont, ein Himmel wie aus zartblauer Seide. Alle schauen hinaus, alle strahlen, durchflutet von einem plötzlichen Glücksgefühl, verwandelt, vom Anblick der Schönheit berührt.

Rudolph Jula
Auf dem Weg nach Damaskus
Slow Travelling
Reiseerzählungen aus dem Nahen
und Mittleren Osten
Edition Patrick Frey Zürich 2012
245 S., div. Fotos, CHF 43.00.
ISBN 1 978-3-905929-17-1

NACH OBEN

Reportage


Buchtipp


Kolumnen/
Diverses